Umweltgerechtes und sparsames Fahren


Optimierung statt Verzicht

Die gute Nachricht ist: Wer an Bord und auf dem Wasser ein paar simple Regeln einhält, die in der Konsequenz die Umwelt schonen, spart bares Geld und erhöht unter Umständen sogar noch den Fahrspaß. Denn umweltgerechtes Fahren heißt nicht Verzicht, sondern Optimierung! Dabei gehört ein bisschen Boots-Technik dazu, um zu verstehen worum es geht. Los geht's dabei bereits an Land und vor dem ersten Törn.

Die richtige Geschwindigkeit

Verdränger-, Halbgleit- und Gleitfahrt

Je nach Rumpfform, Geschwindigkeit und Motorleistung bewegt sich ein Boot in unterschiedlichen Fahrstufen. Die richtige Fahrstufe hat großen Einfluss auf Verbrauch, Geschwindigkeit und Fahrverhalten.

Verdrängerfahrt

Bei langsamer Fahrt bewegt sich der Rumpf durch das Wasser und verdrängt es. Mit steigender Geschwindigkeit wächst der Wellenwiderstand deutlich. Für klassische Verdränger ist dies die normale und effizienteste Fahrweise.

Rumpfgeschwindigkeit

Die sogenannte theoretische Rumpfgeschwindigkeit beschreibt den maximalen Geschwindigkeitsbereich, ab dem der Widerstand eines Verdrängers stark zunimmt. 
Sie wird meistens in Knoten ausgewiesen. 1 Knoten (kn) = eine Seemeile (1852 m) pro Stunde. 1 Knoten = 1,852 km/h

Sie berechnet sich nach folgender Formel: Theoretische Rumpfgeschwindigkeit (kn) ≈ 2,43 × √ Wasserlinienlänge (m)

Ein Boot mit 10 m Wasserlinienlänge erreicht beispielsweise eine theoretische Rumpfgeschwindigkeit von rund 7,7 kn. Darüber steigt der Leistungs- und Kraftstoffbedarf eines Verdrängers überproportional.

Wird versucht oberhalb der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit zu fahren, saugt sich der Rumpf ein und erzeugt starken Wellenschlag. Die Geschwindigkeit steigt kaum, der Brennstoffverbrauch jedoch erheblich. Es lohnt sich also nicht, einen Verdränger mit Vollgas durchs Wasser zu quälen. Ideal ist es, etwas unterhalb der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit zu bleiben und so komfortabel, wirtschaftlich und umweltgerecht zu fahren.

Halbgleitfahrt

In der Halbgleitfahrt beginnt sich der Rumpf durch dynamischen Auftrieb aus dem Wasser zu heben. Bei reinen Gleitbooten ist dieser Übergangsbereich häufig besonders verbrauchsintensiv. Spezielle Halbgleiter sind dagegen für diesen Geschwindigkeitsbereich konstruiert.

Gleitfahrt

Bei ausreichender Geschwindigkeit hebt sich ein Gleiter weitgehend aus dem Wasser. Die benetzte Rumpffläche wird kleiner und das Boot gleitet auf dem Wasser. Diese Fahrstufe eignet sich vor allem für entsprechend konstruierte, leistungsstärkere Motorboote. Sie fahren in einer moderaten Gleitfahrt eine wirtschaftliche Reisegeschwindigkeit mit moderatem Verbrauch und ohne großen Wellenschlag.

Effizient fahren

Verdränger fahren meist etwas unterhalb ihrer Rumpfgeschwindigkeit am wirtschaftlichsten. Halbgleiter sind für mittlere Geschwindigkeiten optimiert. Gleiter fahren häufig entweder langsam in Verdrängerfahrt oder vollständig in zügiger Gleitfahrt - aber nicht bei Vollgas - am effizientesten und mit dem höchsten Fahrspaß.

Grundsatz: Die effizienteste und meist auch fahrerisch angenehmste Geschwindigkeit ist diejenige, bei der Rumpfkonstruktion, Fahrstufe und Motorleistung optimal zusammenspielen.

 

Auswahl des Motors

Das Angebot ist verlockend? Boot inklusive Trailer und Motor zum Sonderpreis, sogar Fender und Leinen gibts dazu? Ok, aber wie stehts eigentlich um die Motorleistung?

Optimal- statt Minimal-Motorisierung

Oft beinhaltet das günstige Angebot die Minimalmotorisierung, die Werft eben noch empfiehlt. Das mag bei der Probefahrt mit ein paar Litern Sprit im Tank und zwei Personen an Bord noch funktionieren, aber spätestens, wenn's auf den ersten Familientörn mit Ausrüstung, Hund, Kühltasche, Getränkekiste und Badespielzeug geht, versackt der Kahn bei Vollgas in ineffizienter Halbgleitfahrt zwischen eigener Bug- und Heckwelle und der Motor wird zum Schluckspecht. Hoher Verbrauch und starker Wellenschlag schädigen die Umwelt und verderben den Fahrspaß.

Fragen Sie daher den Händler oder die Werft nach den Motorisierungsempfehlungen der Werft und wählen sie den Motor nicht zu klein. Es muss nicht der PS-Bolide sein, aber eine solide mittlere Motorisierung ist oft die beste Wahl. 
Das mag erstmal verwirrend klingen, aber gerade Gleiter sind darauf ausgelegt und konstruiert, effizient in der Gleitphase zu fahren. Die muss das Boot aber auch erreichen können, und dafür schaden ein paar PS mehr nicht. Dann flutscht die Fuhre günstig mit geringem Verbrauch pro Kilometer oder Meile in effizienter Fahrstufe übers Wasser, statt die Umwelt zu schädigen und den Fahrspaß gleich mit zu versenken. 
Verdränger sollten bei maximal zweidrittel der Nenndrehzahl des Motors auch beladen und vollgetankt ihre theoretische Rumpfgeschwindigkeit erreichen. Die Reserven, die der Motor bis zum Vollgasbereich dann noch bietet, dienen nicht höheren Geschwindigkeiten, sondern dazu, auch in schwierigen Situationen wie z.B. auf engem Raum mit Seitenwind noch sicher manövrieren zu können.

Eine Frage der Lage

Das Boot schiebt eine große Welle vor sich her, das Heck hängt tief im Wasser, oder der Wasserpass muss von Zeit zu Zeit etwas höher gemalt werden und das Boot erreicht nicht mehr die Geschwindigkeit, die es ursprünglich mal fuhr? Dann sollten Sie einmal die Beladung und den Trimm des Bootes überprüfen und ggf. korrigieren.

Jedes Boot wird auf eine sogenannte Konstruktionswasserlinie konstruiert (CWL = Construction Waterline). Das ist die Wasserlinie, die konstruktiv die Basis für den Trimm, die Beladung und die Lage des Bootes im Wasser markiert. Je dichter die Schwimmlage des Bootes in Fahrt an dieser CWL ist, desto besser fährt und manövriert es.

Bei vielen Booten ist der sogenannte Wasserpass durch einen Streifen auf dem Rumpf etwas oberhalb der Wasserlinie bereits vorgegeben. Er entspricht zwar nicht unbedingt der CWL, ist aber eine gute Orientierungshilfe zur Beurteilung des Bootstrimms. Das Boot sollte hierfür in ruhiger Schwimmlage am Steg möglichst gerade und ein paar Zentimeter unterhalb dieser Linie im Wasser liegen. 

Taucht das Boot insgesamt zu tief ein, schleppt es zu viel Gewicht mit sich herum. Die benetzte Fläche vergrößert sich und damit auch der Wasserwiderstand. Das dies negative Auswirkungen auf die Fahreigenschaften und den Kraftstoffverbrauch hat, ist klar. Zudem erzeugt das Boot stärkeren Wellenschlag. ggf. ist sogar die Stabilität des Bootes beeinträchtigt. Gerade auf kleinen Booten ist zusätzliches Gewicht ein Faktor, der sich sehr schnell bemerkbar macht. Bei den meisten Booten ist daher die maximale Zuladung angegeben. Beachten Sie diese Angaben bei der Beladung des Bootes und berücksichtigen Sie dabei auch das Gewicht der Crew, des Kraftstoffs und ggf. des Wasservorrats.

Taucht das Boot nur hinten zu tief ein - liegt es also quasi auf dem Heck - , wird es sich in Fahrt achtern festsaugen und kann ggf. nicht die Gleitfahrtgrenze überwinden, wenn es ein Gleiter ist. 
Liegt das Boot vorne zu tief im Wasser, schiebt es einen Wasserberg vor sich her und erzeugt ebenfalls einen deutlich erhöhten Widerstand. 
In beiden Fällen erhöht sich der Brennstoffverbrauch signifikant und werden das Ufer, andere Wassersportler, Vögel und andere Tiere durch Wellenschlag beeinträchtigt.

Manuelle und automatische Trimmsysteme (sog. Trimmklappen oder die Trimmeinrichtung des Antriebs durch Anheben oder Absenken) können das Boot unterstützen, schnell die optimale Schwimmlage in Gleitfahrt zu erreichen. Sie sind aber ungeeignet, ein durch falsche Beladung stark vertrimmtes Boot wieder in eine effiziente und korrekte Schwimmlage zu bringen.

Achten Sie daher auf folgende Punkte:

  • Achten Sie bei der Beladung des Bootes auf die Schwimmlage im Wasser.
  • Vermeiden Sie das Mitführen unnötiger Ausrüstung oder Zubehörs.
  • Checken sie den Inhalt von Backskisten und Schapps jährlich im Winterlager und räumen Sie alles von Bord, was Sie in der vergangenen Saison nicht benötigt haben.
  • Das Mitführen eines Standard-Sortiments von Werkzeug ist sinnvoll, das Lagern der kompletten Motorenwerkstatt an Bord erhöht die Zuladung aber unnötig und hilft in den wenigsten Fällen auch im Havariefall weiter.
  • Achten Sie auch gerade bei kleinen Booten auf eine gleichmäßige Verteilung der Crew an Bord und weisen Sie Ihre Mitfahrer darauf hin!
  • Stauen Sie schwere Ausrüstung und Gepäck vorzugsweise in der Mitte des Bootes und im unteren Bereich, um Trimm und Stabilität möglichst wenig zu beeinträchtigen.
  • Nutzen sie - wenn vorhanden - die Trimmeinrichtungen wie Trimmklappen und Motortrimmung Ihres Bootes, um das Boot dabei zu unterstützen, eine möglichst ideale Trimmlage zu erreichen.

So stellen Sie sicher, dass Ihr Boot optimal getrimmt im Wasser liegt, gute Fahr- und Manövriereigenschaften an den Tag legt, effizient läuft und beim Betrieb die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigt wird.