Alternative Kraftstoffe für den Bodensee

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Alternative Kraftstoffe sollen helfen, die Freizeitschifffahrt auf dem Bodensee klimaneutraler zu betreiben. (Foto: Symbolbild -Motorboote auf dem Bodensee; Quelle: stock.adobe.com - Jan Schuler)

Die Internationale Wassersport Gemeinschaft Bodensee (IWGB) setzt auf alternative Kraftstoffe für die Freizeitschifffahrt, um die CO2-Emissionen der Freizeitschifffahrt auf dem Bodensee zu senken.

Ringen um den Klimaschutz auf dem Bodensee

Um das Thema Klima-Neutralität auf dem Bodensee wird hart gerungen – und nicht immer geht es dabei sachlich und im Sinne eines Interessenausgleichs zwischen den Betroffenen zu. Einige Akteure versuchen, ihre Maximalforderungen durchzusetzen und möchten den Betrieb von Booten mit Verbrennungsmotor auf dem See am liebsten sofort ganz verbieten – ungeachtet der zahlreichen Anlieger und Wassersportler, die vom Verkauf und Unterhalt der Boote leben, oder auf ihren Booten die Freizeit verbringen.

Die IWGB, deren Mitglied der Deutsche Motoryachtverband (DMYV) ist, und die auch die Interessen des DMYV auf dem Bodensee vertritt, strebt praxistaugliche Lösungen an, die nicht ausgrenzen und es auch dem Wassersportler erlauben, seinen Beitrag zu leisten, ohne das geliebte Hobby gleich aufgeben und das Boot verkaufen zu müssen.

Klar ist: Die Trockenheit und Rekordniedrigwasserstände des Bodensees der letzten Jahre und aktuell zeigen, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um einen weiteren Anstieg der Temperaturen zu verhindern. Ursache ist der Klimawandel durch den zusätzlichen Ausstoß von CO2 durch die Verbrennung fossiler Energieträger. Klar ist auch, dass der motorisierte Wassersport hier seinen Beitrag leisten muss und soll. Klar ist aber ebenfalls, dass ein Verbot von Verbrenner-Motoren auf dem See die Situation nicht kurzfristig ändert. Die Herausforderung ist global.

Datenlage zum Kraftstoffverbrauch unklar

Ob die Freizeit- oder die Berufsschifffahrt auf dem Bodensee den Hauptanteil an CO2-Emissionen erzeugt, darüber streiten sich die Geister. Während man den Verbrauch der Berufsschifffahrt noch einigermaßen genau bestimmen kann und hier Daten vorliegen, gibt’s zur tatsächlichen Anzahl der Betriebsstunden der Freizeitboote und zur Menge des getankten Kraftstoffs lediglich grobe Schätzungen, die z.T. wirken, wie an den Haaren herbeigezogen. Letztlich ist es aber auch egal, denn der zusätzliche CO2-Ausstoß durch die Verwendung fossiler Kraftstoffe muss so oder so runter.

Alternative Kraftstoffe als unkomplizierte Übergangslösung

Edgar Raff, Vorsitzender der IWGB ist bereits lange einer der wichtigsten Ansprechpartner für den Bereich der Freizeitschifffahrt auf dem Bodensee. Er kennt die Herausforderungen, vor denen die Wassersportler stehen. Für einen Bericht des Südkuriers äußerte er sich zu den Möglichkeiten, die motorisierte Wassersportler haben, um schnell und unkompliziert und ohne große Mehrkosten einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Raff setzt dabei unter anderem auf HVO-Kraftstoff als Ersatz für fossilen Diesel, damit zumindest ein Teil der auf dem Bodensee betriebenen Boote weitestgehend klimaneutral betrieben werden können. Der alternative Dieselkraftstoff wird aus Abfall- und Reststoffen wie gebrauchten Speisefetten hergestellt und kann die CO₂-Emissionen gegenüber herkömmlichem Diesel um bis zu 90 Prozent reduzieren.

HVO 100: Praktische Vorteile für Bootsfahrer

HVO entspricht den gängigen DIN-Normen für Dieselkraftstoffe, ist nicht so geruchsintensiv, rußt weniger bei der Verbrennung, ist resistent gegen die Dieselpest und kann bedenkenlos in den meisten Dieselmotoren verwendet werden. Zudem laufen die Motoren ruhiger. Das haben zahlreiche Tests unter anderem auch aus den Reihen des DMYV zweifelsfrei ergeben. Damit haben Bootseigner neben dem Klimaschutz-Aspekt gleich noch ganz praktische Vorteile bei der Verwendung von HVO. Zahlreiche Hersteller haben offiziell die Freigabe für die Verwendung von HVO in ihren Motoren erteilt. Bis zu 90 Prozent zusätzlicher CO2-Emissionen können durch seine Verwendung eingespart werden.

Für Edgar Raff ist HVO 100 eine wichtige Brückentechnologie auf dem Weg zu einer klimaneutralen Schifffahrt. Die IWGB, die mehr als 30 Wassersportverbände vertritt, setzt sich dafür ein, dass der Kraftstoff rund um den Bodensee in einheitlich hoher und nachhaltiger Qualität angeboten wird.

Nachhaltigkeitszertifikat für den Umweltschutz

Auf der baden-württembergischen Seite des Sees ist herkömmlicher fossiler B7-Diesel schon gar nicht mehr verfügbar. Sowohl die Ultramarin in Kressbronn, als auch die Tankstellen in Konstanz-Wallhausen und auf dem Seerhein in Konstanz haben bereits auf HVO umgestellt.

In Baden-Württemberg kommt unter anderem „Nautic HVO“ zum Einsatz, dessen Nachhaltigkeitsstandard vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt wurde. Der Kraftstoff wird nachweislich aus Abfall- und Reststoffen hergestellt und nicht aus Palmöl, für dessen Herstellung natürliche Urwälder gerodet werden und dessen Ökobilanz verheerend ist. 

Seit kurzem können Bootsfahrer auch im Yachthafen von Bottighofen auf der Schweizer Seite des Bodensees HVO 100 tanken. Mit Bottighofen hat inzwischen auch die fünfte Schweizer Seetankstelle auf HVO umgestellt.

Benzinmotoren als Herausforderung

Der überwiegende Teil der Sportmotorboote auf dem Bodensee fährt jedoch mit Benzin. Für Benzinmotoren gibt es „Nautic E10“. Dabei handelt es sich um einen speziell für die Sportschifffahrt optimierten Ottokraftstoff mit 10 Prozent Bio-Ethanol-Anteil. Spezielle Additive verhindern die Wasseraufnahme und schützen den Bootstank lt. Hersteller bis zu einem Jahr vor Korrosion. Die mögliche CO₂-Einsparung liegt hier allerdings nur bei rund 8,5 Prozent gegenüber normalem Superbenzin. Das ist zwar besser als nichts, reicht aber langfristig natürlich nicht aus.

E-Mobilität als Langfrist-Perspektive

Daher soll auch die Elektromobilität auf dem Wasser eine größere Rolle spielen. Vor allem bei Segel- und kleineren Fischerbooten sieht Raff gute Einsatzmöglichkeiten für Elektromotoren. Bei größeren Motorbooten stehen jedoch hohe Kosten und eine bislang unzureichende Ladeinfrastruktur einem schnellen Umstieg oder gar eine Umrüstung entgegen.

Smarte Marina

Die IWGB setzt deshalb auf das Konzept der „smarten Marina“. Häfen sollen künftig Strom nicht nur bereitstellen, sondern beispielsweise mit Photovoltaikanlagen oder kleinen Windkraftsystemen selbst erzeugen und speichern. Damit könnten Marinas einen wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung der Freizeitschifffahrt leisten.

Noch ist das Interesse an Elektrobooten überschaubar. Raff rechnet jedoch damit, dass ihre Zahl auf dem Bodensee in den kommenden Jahren steigen wird. Bis dahin können nachhaltige Kraftstoffe wie HVO einen wichtigen Beitrag leisten, die bestehende Bootsflotte deutlich klimafreundlicher zu betreiben.

https://iwgb.net/ 


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