Presseberichten zufolge werden die Pläne für den Bau einer Staustufe im tschechischen Děčín konkreter. Das seit Jahrzehnten diskutierte Projekt soll die Schiffbarkeit der Elbe nahe der deutsch-tschechischen Grenze deutlich verbessern. Auch in der bisher eher ablehnenden sächsischen Landesregierung soll ein Umdenken stattgefunden haben. Die Schifffahrt könnte profitieren.
Die tschechische Regierung treibt die Planungen für eine Staustufe bei Děčín unmittelbar südlich der deutschen Grenze voran. Nach aktuellem Stand könnte der Bau 2029 beginnen und die Anlage 2033 in Betrieb gehen. Kern des Projekts sind ein bewegliches Wehr und eine 200 Meter lange Schleusenkammer. Ergänzend sind unter anderem ein Wasserkraftwerk, Fischaufstiegsanlagen sowie umfangreiche ökologische Begleit- und Renaturierungsmaßnahmen vorgesehen.
Ziel des Projekts ist vor allem eine zuverlässigere Schiffbarkeit der Elbe. Der Abschnitt unterhalb von Děčín gehört zu den Bereichen des Flusses, deren Nutzbarkeit besonders stark vom natürlichen Wasserstand abhängt. Bei längeren Niedrigwasserperioden sind die Möglichkeiten für die Schifffahrt entsprechend eingeschränkt.
Auch die Sportschifffahrt könnte profitieren
Aus Sicht der Sportbootfahrer ist deshalb vor allem die Aussicht auf verlässlichere Fahrwasserbedingungen interessant. Eine bessere Schiffbarkeit könnte die grenzüberschreitende Befahrung der Elbe zwischen Deutschland und Tschechien erleichtern und damit auch neue Impulse für den Wassertourismus setzen.
Die Elbe verbindet attraktive Wassersportreviere in Sachsen und Tschechien. Einschränkungen aufgrund geringer Wasserstände erschweren jedoch insbesondere in trockenen Jahren die Reiseplanung. Eine höhere Verlässlichkeit des Wasserwegs wäre daher nicht nur für die Berufsschifffahrt, sondern ebenso für Sportbootfahrer, Vereine, Häfen und weitere wassertouristische Anbieter entlang der Elbe von Bedeutung.
Der Präsident des Sächsischen Motorwassersportverbands, und 1. Vorsitzende der Sportbootvereinigung im DMYV (SBV) Sven Greif, begrüßt deshalb die aktuelle Entwicklung. Neben der Berufsschifffahrt werde auch die Freizeitschifffahrt von der Staustufe profitieren. Der Verband unterstützt das Projekt bereits seit vielen Jahren und sieht darin auch einen wichtigen Schritt für die touristische Entwicklung der Region.
Sachsen bewertet das Vorhaben neu
Auch politisch hat sich die Situation verändert. Die sächsische Landesregierung, die dem Vorhaben in der Vergangenheit insbesondere aus Gründen des Natur- und Gewässerschutzes kritisch gegenüberstand, zeigt sich inzwischen deutlich offener. Sachsen will sich zudem am Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung beteiligen.
Die ökologischen Auswirkungen bleiben allerdings ein zentraler Diskussionspunkt. Kritiker befürchten unter anderem Beeinträchtigungen der natürlichen Flusslandschaft, der Wasserqualität und der Fischbestände. Bestandteil der tschechischen Planungen sind deshalb Fischaufstiegsanlagen, Gewässermonitoring sowie Maßnahmen zur Renaturierung von Uferbereichen, Feuchtgebieten und Altarmen. Welche Auswirkungen das Gesamtprojekt tatsächlich haben wird, soll im weiteren Umweltprüfungs- und Genehmigungsverfahren untersucht werden.
Bedeutung für den Wassertourismus
Für die Sportschifffahrt ist die weitere Entwicklung von besonderem Interesse. Eine dauerhaft besser nutzbare Wasserstraße könnte die Elbe als internationales Sportbootrevier aufwerten und Reisen zwischen Deutschland und Tschechien besser planbar machen.
Davon könnten nicht nur die Bootseigner selbst profitieren. Auch Sportboothäfen, Vereine, Charterangebote, Gastronomie und andere touristische Betriebe entlang des Flusses könnten durch einen stärkeren grenzüberschreitenden Wassertourismus zusätzliche Impulse erhalten.
Entscheidend wird nun sein, wie die konkrete Planung ausgestaltet wird und zu welchen Ergebnissen die Umweltverträglichkeitsprüfung kommt. DMYV und Sportbootvereinigung werden die weitere Entwicklung daher insbesondere mit Blick auf die Interessen der Freizeitschifffahrt und die nachhaltige Nutzbarkeit der Elbe aufmerksam verfolgen.
Weitere Infos unter:
www.gtai.de/de/trade/tschechische-republik/branchen/elbe-staustufe-2022086


