EBA tagt in Hamburg – Peter L. Larsen aus Norwegen ist neuer EBA-Präsident

Verband & Szene

Der Deutsche Seglerverband in Hamburg war Gastgeber der zweiten Generalversammlung 2026 der European Boating Association (EBA) im Rahmen einer zweitägigen Arbeitssitzung in Hamburg. Die EBA ist die Interessenvertretung der nationalen Segler – und Motorboot-Verbände auf europäischer Ebene und eine wichtige Stimme der Bootseigner in Europa auch über die EU hinaus. Auch der Deutsche Motoryachtverband ist Mitglied.

Pyrotechnik vs. elektronische Seenotsignale

Wichtige Themen auf der Agenda der EBA waren neben administrativen und organisatorischen Fragen die Position der EBA zum Thema elektronischer visueller Seenotsignale – sog. eVDS (electronic Visual Distress Signal) –im Vergleich zur Pyrotechnik. 

Hier befürwortet die EBA die Akzeptanz und die Verwendung dieser Signale auch als Ersatz für entsprechende pyrotechnische Signale wie Handfackeln, die dafür geeignet sind, die Erkennung und Lokalisierung von Seenotfällen im näheren Umfeld der Unfallstelle zu ermöglichen. Die elektronischen Alternativen seien einfacher und zuverlässiger zu bedienen und bergen keine Verletzungsrisiken, wie dies bei herkömmlicher Pyrotechnik der Fall ist. 

US Coast Guard Studie empfiehlt die Nutzung – keine SOLAS-Zulassung

Die Ergebnisse einer Studie der US-Coast Guard, und die Tatsache, dass dort diese Seenotsignale jetzt verwendet werden, bestätigen diese Position. Allerdings besitzen diese Signalmittel aktuell keine SOLAS-Zulassung und können in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern die vorgeschriebenen pyrotechnischen Signalmittel nicht ersetzen, sondern lediglich als sinnvolle Zusatzausrüstung dienen.

Pyrotechnische Handfackeln sind der aktuelle Standard für die Notausrüstung...
... elektronische visuelle Signale bringen Vorteile wie eine längere Leuchtdauer, keine Verletzungsgefahren und einfachere Bedienung.
(Bilder erstellt mit KI)

 

Bedeutung der Seegraswiesen und neue Mooring-Systeme

Auch Umweltschutzaspekte wurden diskutiert: Eine Mitarbeiterin des EBA-Sekretariats, das bei der Royal Yachting Association (RYA) in Großbritannien beheimatet ist, gab einen Überblick über die Bedeutung der Seegrasflächen in den Meeren. Sie dienen als Lebensräume und Ökosysteme für eine Vielzahl von Meeresbewohnern und sind ein wichtiger CO2-Speicher. 
Der Vortrag klärte über die Schäden auf, die Ankergeschirre und Mooringsbojen in den Seegraswiesen anrichten. Hier wurden inzwischen clevere und auch wirtschaftlich interessante Mooring-Systeme entwickelt, die das Schleifen der Ketten der Mooringsbojen auf dem Grund vermeiden und so nur einen sehr geringen Einfluss auf den Seegrasbestand haben.

Ankergeschirre von Sportbooten und Moorings-Bojen richten in ökologisch wichtigen Seegraswiesen enorme Schäden an.
(Bild erstellt mit KI)
 

Notstopp-Pflicht auf offenen Motorbooten?

Auch die nationalen Regeln zur Nutzung der Notstopp-Kordel für den Motor auf offenen Motorbooten standen auf der Agenda. Hier sind nur aus den Niederlanden verbindliche Regeln bekannt, wie eine Befragung unter den Mitgliedern, angestoßen vom Deutschen Motoryachtverband, ergab. Führer von offenen Booten, die 20 km/h und schneller fahren können, sind in den Niederlanden verpflichtet, den Notstopp anzulegen, der verhindern soll, dass das Boot führerlos und unkontrolliert weiterfährt, falls der Bootsführer über Bord geht. Wer sich nicht daran hält, riskiert empfindliche Bußgelder. 
Die EBA-Vertreter befürworten hier Maßnahmen, wie z.B. der von der britischen Royal Yachting Association (RYA) sehr erfolgreich durchgeführten Aufklärungs-Kampagne, um Bootcrews auf die Notwendigkeit der Verwendung eines Notstopp-Systems hinzuweisen und die Sensibilität für die Sicherheit beim Fahren zu erhöhen.

Störung der GPS-Signale für die Navigation

Ein wichtiger Punkt betraf die Problematik des GPS-Jamming und Spoofing auf der Ostsee durch Russland nach seinem Angriff auf die Ukraine. Die hat unterdessen auch einen spürbaren Einfluss auf die Navigation der Sportschifffahrt. 

Ein Vertreter des finnischen Verbandes informierte die Mitglieder über die Erfahrungen in Finnland und die Auswirkungen durch den massiven Ausbau von Störsendern, deren Signale inzwischen weit über den Bereich der östlichen Ostsee hinausgehen und auch den Bereich des östlichen Mittelmeers, des englischen Kanals und weitere Seegebiete betreffen. 

Die Auswirkungen können erheblich sein: Keine oder falsche Navigationsdaten und Positionsangaben können in schwierigen Gewässern oder in unübersichtlichen Situationen zu navigatorischen Fehlern und dadurch zu verursachten Seenotfällen führen. Auch kann die Übermittlung verfälschter Positionsdaten im Seenotfall zur Gefährdung des Erfolgs einer Rettungsaktion führen.

GPS-Jamming und Spoofing wurde mit dem beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu einem zunehmenden Problem auch für die Sportschifffahrt in mehreren Seegebieten.
(Bild erstellt mit KI)
 
Klassische Navigation als Basis

Als Konsequenz wird von den Fachverbänden zum wiederholten Male an Segler und Motorbootfahrer die Empfehlung ausgesprochen, sich nicht ausschließlich auf die elektronische Navigation zu verlassen, sondern die klassischen Navigations-Methoden als Grundlage einer sicheren Navigation in den Küstengewässern in den Vordergrund zu stellen. 
Das Fahren nach Kompass, die sorgfältige Kartenarbeit und die Peilung von Landmarken und Seezeichen können mit den Positionsdaten der elektronischen Navigationsgeräte zwar abgeglichen werden, sollten aber die Basis einer sicheren Navigation sein.

Elektronische Navigation sollte vor diesem Hintergrund daher als sinnvolles Hilfsmittel, aber nicht als Grundlage einer sicheren Navigation verwendet werden und deren Ergebnisse sollten überprüft werden. 

Haben Sie Erfahrungen mit der Störung der elektronischen Navigationsdaten? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen unter presse(at)dmyv.de gerne mit, inwiefern Sie und in welchem Revier davon betroffen waren. Wir behandeln Ihre persönlichen Daten selbstverständlich vertraulich, sammeln aber Erfahrungen, um andere Wassersportler auf bestimmte Gefahren in den Revieren hinzuweisen.

Standards für elektronische Seekarten?

Auch die Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedern wurde diskutiert, inwieweit die Vertreter der EBA-Mitgliedsverbände eine Vereinheitlichung und eine System- und Länder-übergreifende Kompatibilität elektronischer Seekarten für sinnvoll und notwendig halten, und ob ein spezieller Standard speziell für Sportbootkarten entwickelt werden sollte. Ob hier ein Vorstoß der EBA erfolgen, und ein Positionspapier erarbeitet werden soll, wird weiter diskutiert, da dieses Thema viele Facetten hat, die erst noch ausführlich erfasst werden müssen.

Peter Lauritz Larsen aus Norwegen ist neuer EBA-Präsident

Zum Ende der Sitzung wurde Peter Lauritz Larsen, Delegierter des Norges Seilforbund (NSF) für die nächsten vier Jahre zum neuen Präsidenten der EBA ernannt. Larsen, selbst ehemaliger Präsident seiner Heimat-Organisation, will einen Schwerpunkt seiner Präsidentschaft auf die Verstärkung der strategischen Ausrichtung und der Einflussnahme der EBA auf Entscheidungen im Bereich der Freizeitschifffahrt in Europa richten. 
Der scheidende Präsident Jan Jansson des finnischen Verbandes Segling och Båtsport i Finland verzichtete aus persönlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur. Er wurde mit sehr warmen und emotionalen Worten verabschiedet und erhielt für seine zuverlässige und kompetente Amtsführung, die immer auf Ausgleich und Gleichberechtigung der Interessen der Mitglieder ausgelegt war, großen Dank und sehr viel Applaus.

https://eba.eu.com/

 

Das neu zusammengesetzte Executive-Board der European Boating Association (EBA) –
v.li.: Laurent Kolly, Schatzmeister/ Österreichischer Segel-Verband; Carol Paddison / EBA-Sekretariat; Peter Lauritz Larsen, Präsident / Norges Seilforbund; Mona Küppers, Vizepräsidentin / Deutscher Seglerverband; Bengt Gärde, Svenska Båtunionen / Vizepräsident (Foto: C. Schneider /EBA)

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