Gebrauchtbootkauf

Einleitung

Wenn Sie nach einem eigenen Boot Ausschau halten, kann sich der Blick auf den Gebraucht-bootmarkt lohnen. Die Vorteile sind vielfältig:

  • die Auswahl ist riesig
  • häufig sind die Boote komplett ausgestattet
  • teure Extras können bereits im Preis inbegriffen sein
  • die üblichen Kinderkrankheiten sind bereits ausgemerzt


Mit ein wenig Glück liegt das favorisierte Boot in der Nähe von Ihnen in einem schönen Revier und kann kurzfristig, ganz unkompliziert Probe gefahren werden.

Bei einer größeren Anschaffung, wie einem Boot, sind viele Punkte zu beachten. Seien Sie kritisch:

  • Ist das Boot in einem einwandfreien Zustand?
  • Ist es seetüchtig?
  • Funktioniert die Technik?
  • Wurde das Objekt anständig gepflegt?
  • Sind in naher Zukunft Reparaturarbeiten notwendig?
  • Darf das Boot im Heimatrevier gefahren werden oder müssen unter Umständen Um-bauarbeiten vorgenommen werden?


Wenn es dann zum Kauf kommt, sind eine Reihe (steuer-)rechtlicher Fragen zu klären:

  • Was sind die Mindestanforderungen an einen wasserdichten Kaufvertrag?
  • Enthält der Kaufpreis bereits die Mehrwertsteuer oder muss diese ggf. beim Transport zzgl. zum Preis bezahlt werden?


Der vorliegende Leitfaden enthält Antworten auf die wesentlichen Punkte.

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Welches Boot ist das Richtige?

Auf dem Gebrauchtbootmarkt haben Sie die Qual der Wahl. Die Vielfalt der Bootsfabrikate,  -typen,    -macharten, Qualität und verwendeten Baumaterialien kann für einen Neueinsteiger in den motorisierten Wassersport erschlagend sein. Deshalb wollen wir in diesem Kapitel etwas Licht ins Dunkel bringen und Ihnen einen Überblick hinsichtlich des Angebots geben. 

Holz, Stahl, Aluminium oder Kunststoff (GfK)
Die Entscheidung für das Baumaterial eines Bootes hat weitreichende Folgen. Falls Sie ausreichend Zeit haben und eine handwerkliche Herausforderung suchen, kann ein pflegeintensives Holz-, Stahl- oder Aluminiumboot für Sie interessant sein. Sie suchen ein Boot für den üblichen Freizeitgebrauch? Das Zauberwort heißt hier Gfk. Ein Motorboot aus GfK ist zwar in der Anschaffung teurer als eins aus Holz oder Stahl, später jedoch nicht so aufwendig in der Pflege. Aus diesem Grund ist der Unterhalt wesentlich günstiger, selbst, wenn längere Zeit keine größeren Arbeiten mehr durchgeführt wurden. Der Baustoff kommt insbesondere für Skipper in Frage, die beruflich sehr eingespannt sind und nicht so viel Zeit aufbringen wollen bzw. können, um das Boot zu warten. 

Das KIS-Prinzip
Erfahrene Skipper setzen auf das Prinzip „Keep it simple“ (KIS), was in Bezug auf den Bootssport so viel heißt wie: Was man nicht hat, muss man auch nicht pflegen. Es ist ratsam, sich kein Boot zu zulegen, welches mit unzähligen Sonderausstattungen überfrachtet ist. Denken Sie immer daran: Sie müssen die Ausstattung warten und bedienen können. Also, machen Sie sich das Leben nicht unnötig schwer.

Großes Boot zum kleinen Preis
Lassen Sie sich nicht von den Preisen blenden: Auch, wenn große Gebrauchtboote im Vergleich zu kleineren relativ günstig erscheinen, ist Vorsicht geboten. Je größer das Boot, desto größer auch die anfallenden Kosten für Versicherung, Liegegebühr, Instandhaltung und Pflege – so die einfache Regel. Wählen Sie eine Bootsgröße, deren Unterhaltskosten zu ihren finanziellen Möglichkeiten passen. 

Wahl eines geeigneten Bootstyps
Das passende Boot für jeden Zweck gibt es leider nicht. Informieren Sie sich daher in Ruhe und eingehend über die verschiedenen Bootstypen. Prüfen Sie, welcher Typ am ehesten Ihre An-forderungen erfüllt. Berücksichtigen Sie bei Ihrer Entscheidung, dass Boote bis 15 PS führerscheinfrei gefahren werden können. Für Motoren mit mehr Leistung benötigen Sie einen entsprechenden Sportbootführerschein, den Sie z.B. in einer anerkannten DMYV-Ausbildungsstätte erwerben können. Nähergehende Informationen zur Ausbildung erhalten Sie in der DMYV-Geschäftsstelle, sowie im Internet unter: www.dmyv.de

Schlauchboote
Sind Sie Anfänger und verfügen über noch keine große Erfahrung im Frühren eines Bootes? Dann könnte ein Schlauchboot für Sie genau die richtige Wahl zum Einstieg in den motorisierten Wassersport sein. Die Vorteile von Schlauchbooten sind vielfältig: Sie sind in der Regel preisgünstig, können problemlos bis zu einer Motorisierung von 15 PS (bis zu 40 km/h) führerscheinfrei  gesteuert werden, bieten Platz für bis zu fünf Personen, verzeihen meist wegen ihrer robusten Bauart Anfängerfehler (z.B. beim Anlegen), sind für häufige Revierwechsel geeignet, sofern sie keinen Festrumpf haben und können auf Grund ihres extrem geringen Tiefgangs fast bei jeder Gewässertiefe gefahren werden. Einmal gesammelte Erfahrungen mit dem Schlauchboot können Sie später problemlos auf andere Bootstypen übertagen. 

(Offene) Sportboote 
Suchen Sie nach einem Boot mit mehr Innenraum und Komfort im Vergleich zum Schlauchboot. Dann sind Sie mit einem (offenen) Sportboot gut bedient. Je nach Modell können Sie bis zu sechs Personen (einige Modelle auch mehr) an Bord nehmen. Es eignet sich für längere Touren, kann als Zugboot für Wasserski- oder Wakeboardfahrer eingesetzt werden oder um zum Angel-, Tauchrevier oder zum Baden herausfahren. Selbst mit einem führerscheinfreien Außenbordmotor können Geschwindig-keiten von bis zu 30 km/h erreicht werden. Sportboote bestehen überwiegend aus GFK und verfügen über einen fest montierten Fahrstand, an dem Lenkrad sowie Gasgriff und Schaltung ihren Sitz haben. Manche Ausführungen verfügen über eine Windschutzscheibe und ein klappbares Cabrio-verdeck, welche die Crew vor einem plötzlichen Regenschauer schützen können. Sportboote haben in der Regel keine Kabine oder abgeschlossene Räume, können aber in Ausnahmefällen über einen kleinen Stauraum verfügen, in dem z.B. Ausrüstung oder Proviant Platz findet. Insgesamt sind sie stabil, einfach zu pflegen und sehr langlebig (bis zu 30 Jahre). 
Auf Grund ihrer Größe und Maße können Sportboote jedoch nicht mehr wie ein Schlauchboot getragen werden, sondern müssen mit Hilfe eines Bootsanhängers (Trailer) transportiert werden. 

Daycruiser & Weekender
Im Vergleich zu (offenen) Sportbooten sind Daycruiser und Weekender ein Stück komfortabler. Sie verfügen häufig über eine kleine Kabine, die genug Platz zum Schlafen oder Schutz vor schlechtem Wetter bieten. Sie dienen daher z.B. auch einmal für einen längeren Ausflug mit Übernachtung. Angetrieben werden die Boote in der Regel von Innenbordmotoren. Solang die Motorleistung von 15 PS (bis zu 40 km/h) nicht überschritten wird, können Sie führerscheinfrei gefahren werden.

Kajütboote (auch: Yachten)
Wenn Sie mehrtägige, längere Touren unternehmen und nicht auf den nötigen Komfort verzichten möchten, ist ein Kajütboot eventuell das passende Boot für Sie. Diese Art von Yacht eignet sich ideal für Familien mit Kindern, da das Cockpit meistens rundherum geschlossen ist und somit für Sicherheit sorgt. Die Boote sind in verschiedenen Größen, ab 4,50 m Länge, erhältlich, sind in der Regel aus Kunststoff, verfügen über eine Kajüte oder Kabine, welche ausreichend Schlafplatz oder Schutz vor schlechtem Wetter bietet. Je nach Ausstattung und Preis verfügt der Bootstyp sogar über eine Kochnische (Pantry) und eine Camping-Toilette. Kajütboote werden normalerweise von Innenbordmotoren angetrieben. Als führerscheinfreie Version mit einem 15-PS-Motor kann mit einem solchen Bootstyp eine Reisegeschwindigkeit von ca. 20 km/h erreicht werden. 

Super- und Megayachten
Sie möchten auf keinen Luxus verzichten? Dann entscheiden Sie sich für eine Super- oder Megayacht. Dieser Bootstyp bietet genügend Platz für Sie und eine Stammcrew, die sich um das Schiff kümmert. Super- und Megayachten bestehen aus luxuriösen und aufwendigen Ausstattungsmerkmalen und sind damit ein echter Hingucker – haben natürlich auch dadurch einen entsprechend hohen Preis.

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Wo das richtige Boot finden?

Heute haben Sie vielfältige Möglichkeiten, das für Sie passende Boot zu finden. Neben dem Gang zum Bootshändler oder Yachtbroker haben Sie die folgenden Möglichkeiten bei der Suche:  

Bootsmagazine lesen

  • Bootsmagazine sind in jedem gut sortierten Kiosk erhältlich und listen in der Regel auf mehreren Seiten Verkaufsanzeigen mit Booten
  • Vorteil: Neben Verkaufsanzeigen finden sich auch regelmäßig Bootstests in den Fachmagazinen, die Orientierung geben können
  • Vorsicht: Da Fachmagazine schon immer auf Anzeigen von Bootshändlern und Werften angewiesen waren, sollten sie immer kritisch gelesen werden; häufig sind sie nicht neutral, sondern eher verkaufsfördernd verfasst


Bootsmessen besuchen

  • Bootsmessen werden meistens in Herbst- und Wintermonaten veranstaltet
  • Vorteil: Sie können sich Boote aus nächster Nähe anschauen und das Gespräch mit dem Hersteller suchen


Das klassische „schwarze Brett“ durchstöbern

  • Aushänge finden Sie in Ihrem bzw. einem Motorbootverein in Ihrer Nähe
  • Vorteil: Sie können unkompliziert den persönlichen Kontakt zum Verkäufer eines Bootes aufnehmen; häufig ist die kurzfristige Besichtigung und Probefahrt eines Bootes möglich


Das Internet durchsuchen

  • das Internet bietet Bootsbörsen, Foren, Online-Magazine
  • Vorteil: Sie erhalten blitzschnell Zugriff auf das weltweite Angebot und können gezielt Informationen zu Ihrem Traumboot recherchieren


Die Chance, das Boot der Träume zu finden, ist bei dem gegebenen Angebot groß. Verzetteln Sie sich jedoch nicht. Besprechen Sie Ihre Pläne am besten mit einem Eigner, der über ausreichend Erfahrung und Wissen hinsichtlich Substanz, den Vorzügen, Schwächen und Mängeln Ihres favorisierten Bootes Bescheid weiß.

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Worauf achten beim Kauf?

Um gegen mögliche Fallstricke beim Kauf und die Gefahr eines  Betrugsversuchs gewappnet zu sein, möchten wir Ihnen einige wichtige Hinweise und Tipps an die Hand geben.

Fallstricke
Häufig begangener Fehler beim Bootskauf sind, dass Käufer und Käuferinnen

  • sich nicht ausreichend mit dem Kaufobjekt hinsichtlich Zustand und Funktionalitäten auseinandersetzen
  • die Produktbeschreibung falsch interpretieren: Bei Beschreibungen, wie „Klassiker“ oder „charmantes“ Boot ist Vorsicht geboten, sie gelten als Synonyme für „alt“, „vergammelt“ und „richtig viel daran zu tun“
  • einen unüberlegten Spontankauf, z.B. aus einer (Urlaubs-)Laune heraus, tätigen
  • den Kaufvertrag nicht richtig lesen


Investieren Sie genügend Zeit in die Recherche und Überprüfung aller Einzelheiten, um den folgenden Fallstricken zu entgehen:

  • das Boot ist entgegen der Beschreibung und vertraglichen Zusicherung weder fahrbereit, benutzbar noch seeklar (ggf. Wartungsstau)
  • das Boot passt nicht zu ihren persönlichen (finanziellen) Verhältnissen
  • anstehende Reparaturarbeiten können Sie aufgrund mangelnder handwerklicher Fähigkeiten nicht selbstständig erledigen und müssen auf einen teuren Service einer Werft zurückgreifen
  • Sie müssen entgegen der Angaben des Voreigners oder der Zusicherung des Händlers die Mehrwertsteuer für das Boot selbst bezahlen
  • eine im Land des Liegeplatzes zu zahlende Abgabe oder Luxussteuer für das angeschaffte Boot ist von Ihnen zu entrichten
  • Sie dürfen das gekaufte Boot nicht bewegen, weil der Voreigner die Rechnung(en) für Liegegebühren nicht beglichen hat
  • es liegt eine Sicherheitsübereignung einer Bank, ein Leasingvertrag, eine Erbschafts-angelegenheit oder Anspruch eines Dritten vor
  • es liegt keine CE-Konformitätserklärung vor; das Boot besitzt keine CE-Plakette


Vorsicht vor Betrug 
Neben den Fallstricken müssen Sie sich auch auf mögliche Betrugsversuche einstellen. Nicht selten versuchen Kriminelle gestohlene Boote zu verkaufen. Da Sie als Käufer für die Überprüfung des Eigentums verantwortlich sind, seien Sie besonders wachsam. Bestehen Sie beim Kauf unbedingt auf das Herstellerzertifikat (bitte nicht mit der EU-Konformitätserklärung verwechseln!) des Bootes. Dieses Dokument erhält der Erstkäufer neben der Rechnung vom Hersteller ausgestellt. Sämtliche Folgedokumente bauen auf diesen ersten Unterlagen auf. Bei der Kontrolle der Dokumente sollten Sie ebenfalls überprüfen, ob und, wenn ja, auf welche Person das Boot registriert ist.  

Seien Sie misstrauisch, wenn

  • ein Inserat von Rechtschreib- und Grammatikfehlern wimmelt
  • der Verkäufer nur online zu erreichen ist und nicht per Telefon oder persönlich
  • Sie unter Druck gesetzt werden, weil angeblich so viele Käufer Interesse am Boot angemeldet haben
  • der Verkäufer keine Bootsdokumente oder Kaufbelege vorweisen kann
  • die Rumpf- bzw. Baunummer (in englischer Sprache: HIN = Hull identification number) fehlt oder geändert wurde
  • Sie für eine Probefahrt eine Vorableistung zahlen sollen, obwohl dies seitens des Gesetz-gebers überhaupt nicht verpflichtend ist
  • der Anbieter nur Vorkasse akzeptiert oder eine Vorauszahlung für den Transport verlangt
  • Der Verkäufer auf eine ominöse Handlung, wie „… wenn das Boot auf ein Unternehmen im Ausland registriert ist, sparen Sie die Mehrwertsteuer“


Bewahren Sie einen kühlen Kopf, wenn Sie glauben, Ihr Traumboot gefunden zu haben und beachten die nachfolgenden Regeln:

  • Senden Sie keine Kopie Ihres Personalausweises an Ihnen nicht bekannte Adressen
  • Bringen Sie die Ruf- oder Motorennummer des Bootes in Erfahrung und verifizieren Sie diese mit der Werft oder dem Händler
  • Inspizieren Sie das Boot persönlich vor Ort
  • Prüfen Sie die CE-Konformitätserklärung auf Echtheit
  • Weihen Sie jemanden in Ihre Kaufpläne ein, der über Fachwissen und Erfahrung verfügt und der Sie bei Ihrer Entscheidung mit gezielten Fragen begleitet
  • Schließen Sie einen schriftlichen Kaufvertrag ab
  • Leisten Sie im Idealfall keine Anzahlung, auch nicht, wenn der Kaufpreis noch so verlockend ist, schon gar nicht, wenn ein unseriöses „Transfer- oder Sperrkonto“ genannt wird
  • Setzen Sie zur Sicherheit einen Gebrauchtbootmakler, Anwalt oder Notar zur Beratung und treuhänderischen Verwaltung und Auszahlung des Geldes ein


Was kostet das Boot über den Kauf hinaus? 
Es gibt eine Faustformel, wonach die jährlichen Kosten für den Unterhalt eines Bootes bei 10 Prozent des Neupreises liegen. Sofern man jedoch etwas handwerkliches Geschick mitbringt oder fleißig ist, kann man auch deutlich unter diesen 10 Prozent bleiben. Mit folgenden laufenden Kosten haben Sie konkret zu rechnen:

  • Liegeplatzgebühren
  • ggf. Kosten für einen Stellplatz in einem Winterlager (Halle oder draußen)
  • Kosten für Kranen, Slippen
  • Transportkosten
  • Ausgaben für Wartung und Pflege
  • Kosten für eine Haftpflichtversicherung, ggf. Kaskoversicherung
  • Mitgliedsbeitrag in einem Motorbootverein


Folgende Faktoren beeinflussen die Kosten entscheidend:

  • das Baumaterial
  • die Größe: Kleinere Boote sind in der Regel deutlich günstiger im Unterhalt; sie benötigen keine großen, teuren Krananlagen für den Zugang zum Wasser, sondern können mit Hilfe eines Trailers ins Wasser geschoben werden
  • das Gewicht: Es beeinflusst z.B. den Spritverbrauch und entscheidet darüber, wie das Fahrzeug transportiert werden kann (Privat vs. Yachtspediteur)
  • die Verdrängung
  • die Ausstattung/Extras: Je mehr „Schnick-Schnack“, desto komplizierter, störanfälliger die Schiffstechnik
  • das Revier: An gefragten Gewässern sind Liegeplätze Mangelware und dementsprechend teuer
  • eine Vereinsmitgliedschaft: die Infrastruktur (Hafenanlage, etc.) der Vereine wird häufig ehrenamtlich gepflegt, wodurch diese kostengünstiger zur Verfügung gestellt werden kann als in einem kommunalen Hafen oder in einer kommerziellen Marina


Formalitäten
Beim Bootskauf müssen Sie eine Reihe von Formalitäten berücksichtigen. Im Folgenden haben wir für Sie einen Überblick zusammengestellt, worauf Sie achten müssen.

Einhaltung der landestypischen oder regionalen Vorschriften hinsichtlich

  • Motorisierung
  • Abgasnormen
  • Fäkalientanks


In der EU: Einhaltung der CE-Konformität

  • mit der CE-Plakette an einem Boot (CE steht für Kennzeichnung in der Europäischen Union) erklärt der Hersteller oder EU-Bevollmächtigte gemäß EU-Verordnung 765/2008, „dass das Produkt den geltenden Anforderungen genügt, die in den Harmonisierungsrechts-vorschriften der Gemeinschaft über ihre Anbringung festgelegt sind.“
  • die CE-Plakette gibt Auskunft über das vorgesehene Fahrtgebiet für ein Boot, es wird zwischen vier Kategorien unterschieden

 
 

KategorieAnmerkung
Kategorie „A“

„Ozean“; Fahrzeuge, die für längere Fahrten konstruiert sind, wo die Bedingungen die Windstärke 8 (Beaufort-Skala) überschreiten und Wellenhöhen von 4 m vorkommen können und die weitgehend unabhängig sind.
Kategorie „B“

„Küstenfern“; Fahrzeuge, die für küstenferne Fahrten konstruiert sind, wo Bedingungen bis zu und einschließlich Windstärke 8 und Wellenhöhen bis zu und einschließlich 4 m vorkommen können
Kategorie „C“


„Küstennah“; Fahrzeuge, die für Fahrten in Küstengewässern, großen Buchten, Flussmündungsgebieten, Seen und Flüssen konstruiert sind, wo Bedingungen bis zu und einschließlich Windstärke 6 und Wellenhöhen bis zu und einschließlich 2 m vorkommen können
Kategorie „D“

„Geschützte Gewässer“; Fahrzeuge, die für Fahrten auf kleinen Seen, Flüssen und Kanälen konstruiert sind, wo Bedingungen bis zu und einschließlich Windstärke 4 und Wellenhöhen bis zu und einschließlich 0,5 m vorkommen können
  • für Sportboote ab Baujahr Juni 1998 und mit einer Länge zwischen 2,50 und 24 Metern wird für die erstmalige Registrierung in Deutschland eine CE-Konformitätserklärung verlangt. Dieses Dokument wird individuell für jedes Fahrzeug ausgestellt und beinhaltet u. a. die Baunummer des Bootes
  • Jetskis sind ab Baujahr 2006 ebenfalls konformitätspflichtig
  • wenn das Boot außerhalb Deutschlands oder der anderen Gründungsstaaten der EU in Verkehr gebracht wurde, richtet sich die Konformitätspflicht nach dem Beitrittsdatum des jeweiligen Staates (z. B. 1. Mai 2004 u. a. Polen). Wird das Boot von außerhalb der EU erstmalig in den Verkehr gebracht, richtet sich die Konformitätspflicht nach dem Datum der Einbringung in den EU-Binnenmarkt
  • ohne gültige CE-Zertifizierung muss man mit einer Stilllegung und/oder einem Bußgeld rechnen


Weitere Informationen zur CE-Konformität und Informationen zur nachträglichen Zertifizierung erhalten Sie bei diesen Stellen in Deutschland:

Germanischer Lloyd AG
Vorsetzen 35
D-20459 Hamburg
Germany
Tel: +49 (40) 361 490
Fax: +49 (40) 361 492 00
E-Mail: headoffice@gl-group.com

TÜV Product Service GmbH
Ridlerstraße 65
D-80339 München
Germany
Tel: +49 (180) 332 424 2
Fax: +49 (89) 515 512 02
E-Mail: productservce@tuev-sued.de


Die Mehrwertsteuer

  • laut den EU-Zollbestimmungen muss die Mehrwertsteuer für ein Boot in einem EU-Mitgliedsstaat entrichtet worden sein; ist dies nicht der Fall wird die gesetzliche Einfuhrumsatzsteuer auf den Zeitwert des Bootes fällig
  • Achtung: Fordern Sie zwingend eine Rechnung für ein Boot an, aus welcher der Nettobetrag für das Kaufobjekt hervorgeht; bestehen Sie optimaler Weise auch auf einen Zahlungsbeleg
  • liegt ein Nachweis über die Zahlung der Mehrwertsteuer seitens des Verkäufers nicht vor, haben Sie folgende Möglichkeiten: Entweder Sie kaufen das Boot nicht oder Sie verhandeln den Nettopreis, da Sie die nicht entrichtete Mehrwertsteuer selbst zahlen müssen
  • der Erwerb eines neuen Wasserfahrzeugs, das größer als 7,5 Meter ist und aus einen anderen EU-Staat nach Deutschland gebracht wird, führt zu einen „innergemeinschaftlichen Erwerb neuer Fahrzeuge“ (§1b UStG) und damit zur Fahrzeugeinzelbesteuerung; es muss eine Umsatzsteuererklärung (gilt auch für Nichtunternehmer!) in Deutschland abgeben werden
  • bei Unsicherheiten empfehlen wir die Konsultation eines Steuerberaters Ihres Vertrauens, alternativ können Sie sich auch an den Zoll oder das für Sie zuständige Finanzamt wenden



Bootsregistrierung
Wasserfahrzeuge mit einer Motorleistung ab 2,21 kW (3 PS) und Segelboote über 5,5 m Länge sind auf Binnenwasserstraßen registrierungspflichtig. Die Fahrzeuge benötigen amtliche oder amtlich anerkannte Kennzeichen, wie z.B. den Internationalen Bootsschein (IBS) des DMYV als Registrierungsnachweis. Ist der Verkäufer nicht als Eigentümer im Registrierungsnachweis ein-getragen, verlangen Sie nach allen Rechnungen bzw. Kaufverträgen, damit eine lückenlose Dokumentation der Eigentumsverhältnisse belegt werden kann. Sofern das Boot zuletzt beim DMYV registriert war, melden Sie in diesem Fall den Eigentümerwechsel an den Verband. Sie behalten das Kennzeichen des Vorbesitzers. Ist das Boot in der Vergangenheit nicht beim DMYV registriert gewesen, können Sie auch ganz unkompliziert eine Neuregistrierung beantragen und erhalten ein neues Kennzeichen. Für weitere Informationen zur Bootsregistrierung wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle des DMYV oder besuchen Sie unsere Website unter: www.dmyv.de 

Hinweis zur Eignergemeinschaft
Gerade bei größeren und hochwertigen Motoryachten wird eine Anschaffung gegebenenfalls erst durch eine Eignergemeinschaft ermöglicht. Um bereits im Vorfeld Konflikten vorzubeugen, sollten alle Absprachen der beteiligten Personen auch schriftlich festgehalten werden. Wir empfehlen, die folgenden Punkte in Ihre Überlegungen einzubeziehen:

  • Sind die Kosten fair auf alle Eigner verteilt?
  • Wie oft wird die Motoryacht gefahren?
  • Gibt es einen transparenten Nutzungsplan?
  • Gibt es einen Eigner in der Gemeinschaft, der die Yacht öfters als andere nutzt?
  • Wie wird bei einer Änderung in der Zusammensetzung der Eignergemeinschaft verfahren?
  • Ist ein Eigner einzelbefugt? Wenn ja, bis zu welchem Etat bzw. Kostenvolumen?
  • Soll die Yacht zwischendurch verchartert werden?
  • Was geschieht im Falle des Todes eines Mitglieds der Eignergemeinschaft?
  • Was passiert, wenn einer der Eigner Zahlungsschwierigkeiten hat oder gar insolvent und gepfändet wird?
  • Wie wird mit plötzlich auftretenden Kosten, z.B. einem Motorschaden, umgegangen?

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Bootsbesichtigung und Probefahrt

Ein paar grundsätzliche Tipps:

  • Bereiten Sie sich vor: Beschaffen Sie sich ausreichend Informationsmaterial zum Kaufobjekt
  • Sprechen Sie mit nautisch erfahrenen Freunden und Bekannten
  • Holen Sie Ihren Partner/ Ihre Partnerin mit ins Boot
  • Vergleichen Sie verschiedene Bootstypen oder Fabrikate
  • Machen Sie sich ggf. während eines Charterurlaubs vertraut mit Ihrem favorisierten Boot
  • Bringen Sie den Liegeplatz/Standort des Bootes in Erfahrung und verschaffen Sie sich einen ersten Eindruck ohne Anpreisung und Bemerkungen des Verkäufers oder Händlers vor dem eigentlich vereinbarten Besichtigungstermin
  • Achten Sie auf vernünftige Lichtverhältnisse
  • Lassen Sie sich nicht vom Verkäufer oder Händler drängen


Auf folgende Punkte sollten Sie bei einer Besichtigung Wert legen:

  • der Eigner tritt kompetent und freundlich auf: Er bzw. sie kennt sein Boot, ist offen, beantwortet Fragen souverän
  • das Boot ist aufgeräumt, sauber und gepflegt (keine Rostspuren, Scheuerstellen, etc.)
  • die Technik und Elektronik (Ankerwinschen, Pumpe, etc.) ist in einem einwandfreien Zustand
  • die Sicherheitsausrüstung ist vollständig und aktuell
  • die Unterlagen (z.B. Betriebsanleitung) zum Boot liegen vor
  • der Motor springt an


Haben Sie sich einen ersten Eindruck vom Boot verschafft? Gut. Dann testen Sie nun das Boot auf Herz und Nieren. Bei der Probefahrt sollten Sie generell auf folgende Dinge achten: 

  • das Motorboot ist kursstabil, manövrierfähig
  • das Fahrzeug lässt sich vernünftig aufstoppen
  • das voll beladene (betankte) Boot erreicht die versprochene Reisegeschwindigkeit und den Top Speed
  • die Maschine läuft nach dem Anlassen im Standgas einwandfrei
  • die Farbe des Abgases ist neutral (neutral, weiß, grau)
  • die Maschine wurde sachgemäß eingewintert und für längere Liegezeiten vorbereitet (z.B. mit einer Frischwasserspülung und Frostschutz)
  • das Motor- und Getriebeöl wurden nachweislich regelmäßig gewechselt
  • die Opferanoden am Motor, am Getriebe und Boot sind in Ordnung
  • Erkundigen Sie sich nach einer Mängelliste (z.B. verunreinigter Kraftstoff- und Ölfilter)
  • Prüfen Sie den Betriebsstundenzähler


Manchmal steckt der Fehlerteufel im Detail. Daher möchten wir Sie sensibilisieren, den Motor, das Teakdeck, Unterwasserschiff und die Takelage genauestens unter die Lupe zu nehmen und das Boot auf Osmose zu überprüfen.

Der Motor
Schauen Sie sich den Motor aus nächster Nähe an:

  • Prüfen Sie, ob der Motor auch nach längerer Standzeit im kalten Zustand einwandfrei an-springt. Öffnen Sie dazu vor dem Start des Motors den Motorraum, vergewissern Sie sich, ob die Maschine kalt oder warm ist
  • Werfen Sie einen Blick in den Motorraum: Alles ist sauber, alle Kabel sind ordentlich verlegt
  • Stellen Sie sicher, dass es keine Stellen gibt, aus denen Kühlwasser, Diesel oder Motorenöl ausläuft oder ausgelaufen ist


Teakdeck
Falls Sie ein Boot mit Teakdeck besichtigen, haben Sie folgendes im Blick:

  • die Teakstäbe sind ordentlich verschraubt oder verklebt
  • die Querholzdübel zum Schließen der Bohrungen sitzen alle fest
  • alle Fugen sind ok
  • das Teakdeck ist sauber und gepflegt (z.B. keine dunklen Flecken)
  • das Material ist nicht von Schimmel befallen
  • nicht das gesamt Deck ist mit Teakholz „gepflastert“: Haben Sie im Hinterkopf, dass sich die Planken bei Sonneneinstrahlung derart aufheizen können, dass man nicht mehr barfuß über das Boot laufen kann
  • falls das Teakdeck schon einmal erneuert wurde: Die Sanierungsarbeiten wurden gewissenhaft durchgeführt


Unterwasserschiff
Schauen Sie sich das Unterwasserschiff – optimaler Weise – an Land an und achten drauf, dass

  • das Boot keine Grundberührung hatte
  • der Steven, Kiel, die Propellerwelle und Wellenbock oder der Z-Antrieb, der Propeller und das Ruderblatt keine Schäden aufweisen


Osmose (bei Kunststoffbooten)
Suchen Sie die Außenhaut des Unterwasserschiffs nach Bläschen ab. Falls das Boot diese aufweist, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass das Kaufobjekt Osmose hat. Es kann sich jedoch auch nur um einen unebenen Antifouling-Anstrich mit übergepinseltem Dreck handeln. Um zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um Osmose handelt, sind diese Schritte nötig:

  • wenn das Boot längere Zeit im Wasser lag: Stechen Sie einige Bläschen mit einem spitzen Gegenstand (z.B. Schraubenzieher) an; austretende Flüssigkeit, die säuerlich riecht, ist ein konkreter Anhaltspunkt für Osmose
  • wenn das Boot längere Zeit an Land war und der Rumpf getrocknet ist: Tragen Sie den Rumpf an ausgewählten Stellen bis zum Gelcoat mit Hilfe eines handelsüblichen Schleifklotzes und groben Sandpapieres ab; Risse und kleine Öffnungen an der wassersperrenden Deckschicht sind ein sicheres Indiz für Osmose


Takelage (bei Segelbooten)
Prüfen Sie:

  • der Zustand der Segel ist ok
  • das „stehende Gut“, sprich Wanten und Stagen, wurde gut gepflegt und ggf. schon einmal ausgetauscht
  • das „laufende Gut“, sprich Fallen, Trimmleinen und Schoten sieht in Ordnung aus
  • die Beschläge an Deck, die Winschen, Umlenker, die Blöcke, Taljen und Klemmen sind in einem akzeptablen Zustand
  • die Vorsegelrollanlage ist leichtgängig

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Der Vertragsabschluss und die Übergabe

Sie haben den passenden „Untersatz“ gefunden? Herzlichen Glückwunsch! Jetzt müssen Sie nur noch den Kaufvertrag unterzeichnen und Ihr Boot kann ausgeliefert werden. Achten Sie beim Kaufvertrag auf die folgenden Punkte:

  • Vor- und Nachnamen und Kontaktdaten beider Vertragsparteien sind korrekt angegeben (die Kontrolle der Verkäuferangaben mit Hilfe des Personalausweises ist ratsam!)
  • Bezeichnungen wie der Bootstyp, die Baunummer, Registriernummer (Kennzeichen), Motoren- und Getriebenummer sind aufgeführt
  • das Boot ist mit all seinen Spezifikationen und dem vereinbarten Zubehör so genau wie möglich beschrieben
  • mögliche Eigentumsvorbehalte sind geklärt
  • ein Nachweis über die gezahlte Umsatzsteuer und Registrierung sowie die CE-Konformitätserklärung für das Boot liegen vor
  • es besteht Klarheit darüber, wie die Bootsübergabe abläuft (z.B. Gefahrenübergabe = Versicherungspflicht)


Haftungsausschluss
Wenn Sie ein gebrauchtes Boot von einem Händler kaufen, haben Sie laut deutschem Recht immer mindestens ein Jahr Anspruch auf Gewährleistung. Falls nicht anders vertraglich geregelt, liegt die Gewährleistung im Normalfall bei zwei Jahren. Anders sieht es bei einem Kauf von Privat aus. Der Verkäufer kann hier vertraglich die Gewährleistung komplett ausschließen. Versuchen Sie als cleverer Käufer das Boot ohne expliziten Haftungsausschluss zu erwerben. Dann können Sie auch bei einem Privatkauf innerhalb von zwei Jahren gegenüber dem Verkäufer Mängel geltend machen, wie z.B. Wartungsstau. Sollte sich Ihr Gegenüber darauf nicht einlassen, bestehen Sie zu mindestens auf die Gewährleistung für bestimmte, Ihnen beim Boot bedenklich erscheinenden Punkte (z.B. der Motor). Alternativ können Sie mit dem Verkäufer auch eine gedeckelte Kostenbeteiligung bis zu einem bestimmten Betrag vereinbaren.

Auch, wenn ein Haftungsausschluss im Kaufvertrag formal richtig vereinbart wurde, darf in bestimmten Fällen von diesem Grundsatz abgewichen werden, wenn z.B. der Verkäufer Ihnen arglistig Mängel am Boot verschweigt. Dann haftet der Verkäufer.

Übergabeprotokoll
Wenn es zur Auslieferung kommt, ist es ratsam ein Übergabeprotokoll anzufertigen, welches sich auf den Kaufvertrag bezieht und folgende Fragen beantwortet:

  • Befindet sich das Kaufobjekt im vertraglich vereinbarten Zustand?
  • Wird das Bootszubehör komplett mitgeliefert?
  • Sind alle Papiere vorhanden?


Alles, was fehlt, sollten Sie penibel protokollieren. Das Protokoll muss zwingend datiert und von Ihnen sowie dem Verkäufer unterschrieben werden. So können Sie sicher sein, dass das Boot im vertraglich zugesicherten Zustand übergeben wird.

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Weitere Informationen

Sportbootvereinigung

Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

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Formulare

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Shop

Der DMYV-Shop steht wieder zur Verfügung. Hier finden Sie viele interessante Produkte rund um Ihren Törn und die Ausbildung zu den Befähigungsnachweisen.

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Förderverein Jugend- und Leistungssport des DMYV e.V.

Der Förderverein unterstützt die deutsche Motorbootjugend und den Leistungssport. Ebenso tritt er für die Erhaltung der Sporthoheit des Deutschen Motoryachtverbandes e.V. (DMYV) ein. Werden Sie jetzt Unterstützer!

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