Wie werde ich Prüfer für den DMYV? Interview mit André Wester

Die Prüfungsausschüsse des Deutschen Motoryachtverbandes sind vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) autorisiert und vom DMYV beauftragt, amtliche Prüfungen zum Erwerb von Sportbootführerscheinen und Funkzeugnissen abzunehmen, so die knappe Theorie hier auf der Webseite des Deutschen Motoryachtverbandes. Doch was steckt wirklich hinter der Arbeit als Prüferin und Prüfer und wie wird man das überhaupt? André Wester, Leiter des Referats Führerschein- und Prüfungswesen beim DMYV und selbst seit Jahren als Prüfer tätig, beantwortet die dringlichsten Fragen. 

Was macht die Tätigkeit eines Prüfers für den Deutschen Motoryachtverband aus?
Wie der Begriff schon sagt, eine Prüferin oder ein Prüfer ist mit der Abnahme von Prüfungen im Bereich Sportbootführerscheine oder Funkbetriebszeugnisse betraut. Das bedeutet, sie stellen mit der Kontrolle der einzelnen Prüfungsergebnisse fest, ob Führerschein- oder Funkzeugnis-Anwärter/innen die Prüfung bestanden haben und damit ihren Befähigungsnachweis erhalten. Prüfer/innen sind formell betrachtet selbstständige Sachverständige, die mit einer hoheitlichen Aufgabe vom Verband oder dem Bundesverkehrsministerium bestellt werden. Daher bringt diese Tätigkeit eine große Verantwortung, fachlich wie menschlich, mit sich.

Was sind die Ansprüche an eine Prüferin oder einen Prüfer?
Zunächst gibt es die fachliche Qualifikation, die vorliegen muss, um diese Tätigkeit auszufüllen. Wer zum Beispiel Prüfungen zum Sportbootführerschein mit Geltungsbereich Binnengewässer abnimmt, muss mindestens diesen Führerschein selbst besitzen. Zudem muss sie oder er zum Prüfer ausgebildet sein. Hierfür gibt es beim Deutschen Motoryachtverband ein modular aufgebautes Ausbildungs- und Qualifizierungssystem. Genauso wichtig ist aber auch die menschliche Komponente. Als Prüfer/in ist Fingerspitzengefühl und soziale Kompetenz für den Umgang mit Menschen, die sich oftmals in großem Prüfungsstress befinden, unerlässlich. Prüfer/innen müssen in ihrem Auftreten ein freundliches Wesen haben und den Menschen zugewandt sein, um den zukünftigen Sportbootfahrern eine faire Prüfungsatmosphäre zu bieten. Aus meiner Erfahrung hilft dabei auch immer Gelassenheit und manchmal eine kleine Prise Humor. Auf diese Persönlichkeitsmerkmale legt der Deutsche Motoryachtverband sehr großen Wert.

Und wie wird man Prüfer/in für Sportbootführerscheine und Funkbetriebszeugnisse?
Wer Interesse an dieser für den motorisierten Wassersport sehr wichtigen Aufgabe hat, kann sich hierzu bei einem Prüfungsausschuss des DMYV in der Nähe bewerben. Dabei empfehle ich, dort zunächst das persönliche Gespräch mit dem Leiter des jeweiligen Prüfungsausschusses zu suchen. Nichts geht über einen ersten persönlichen Eindruck. Die Prüfungsausschüsse leiten dann bei Bedarf die Bewerbung zur Anmeldung für die Lehrgangsmodule für Prüfer/innen an den DMYV weiter. Auch hier werden die Bewerbungen noch einmal gesichtet, damit wir uns ein Bild von den Bewerberinnen und Bewerbern machen können. Nach erfolgreich absolvierten Lehrgängen werden die Prüferinnen und Prüfer dann schließlich, je nach Prüfungsbereich, vom DMYV oder vom BMVI für ihr Amt bestellt und durch den jeweiligen Prüfungsausschuss zur Abnahme von Prüfungen beauftragt.

Wie sieht die angesprochene Qualifizierung durch den Deutschen Motoryachtverband aus?
Die Qualifizierung geschieht über verschiedene Lehrgangsmodule. Hierzu hat der Deutsche Motoryachtverband deutschlandweit verteilte Tutorenteams, die Lehrgangsteilnehmer in den unterschiedlichen Fachbereichen schulen und für die Prüfertätigkeit qualifizieren. Während im Basismodul für Verbandsprüfer grundlegende Regeln und gesetzliche Vorgaben thematisiert werden, sind die anschließenden Fachmodule inhaltlich auf die einzelnen zu prüfenden Befähigungsnachweise ausgelegt. Wer für den Sportbootführerschein als Prüfer/in tätig sein möchte, muss das Lehrgangsmodul SBF absolvieren, für die Abnahme der Funkprüfungen SRC wäre hingegen das Funkmodul 1 notwendig. Insgesamt muss man für alle Lehrgangsmodule bis zur Bestellung als Prüfer/in etwa sechs bis sieben  Tage für die Lehrgänge einplanen.

Abschließend die entscheidende Frage, warum lohnt es sich Prüfer/in zu werden und wo gibt es noch Bedarf?
Es ist einfach eine spannende und abwechslungsreiche Tätigkeit für alle begeisterten und erfahrenen Bootssportler. Durch das aktive Engagement im Wassersport knüpft und vertieft man viele Kontakte und hilft dabei, die Qualitätsstandards für ein zukünftig gutes und sicheres Miteinander auf dem Wasser zu erhalten. Eine Tätigkeit die somit wichtig ist, aber auch viel Spaß im Umgang mit den Menschen bringt. Und selbstverständlich erhält man für die geleistete Arbeit als Prüfer/in auch eine kleine Aufwandsentschädigung.
Der DMYV freut sich über alle, die sich entschließen Prüfer zu werden, egal in welcher Region. Tatsächlich haben wir im Moment aber deutlichen Bedarf in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hier würden wir uns ganz besonders über eingehende Bewerbungen zukünftiger Prüferinnen und Prüfer für den DMYV freuen.

Wer Interesse an der Tätigkeit des Prüfers in einem der Prüfungsausschüsse im DMYV hat, findet hier eine Übersicht aller PA.

 

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