Mit 150 PS, Pressluft und Entenflossen

Rückt nur im Ernstfall in den Blickpunkt: die Rettungscew des DMYV.

Der DMYV entsendet zu allen Motorbootrennen in Deutschland ein Rettungsteam.

An einem Rennwochenende wird durchschnittlich drei bis vier Mal das Signal „Rot“ gegeben und ein Rennen abgebrochen.

Die Rettungscrew ist bei jedem Wetter einsatzbereit.

Zur Ausstattung der Rettungscrew gehören spezielle Entenflossen, Sicherheitsgurte, Schleppseil.

Die Zuschauer verfolgen jede Runde, jeden Lauf und jedes Manöver. Sie drücken ihren Favoriten die Daumen, dass er die Führung behalten kann oder endlich nach vorne kommt. Doch plötzlich stockt allen der Atem, rote Leuchtkugeln schießen in den Himmel und Augenblicke werden zur Ewigkeit – auf dem Wasser ist etwas passiert! In diesen Sekunden, in denen die Welt irgendwie erstarrt, muss ein Team blitz schnell agieren. Bis eben noch unbemerkt, steht es nun im Fokus aller Augen: das Rettungsteam des DMYV.

Die Faszination Motorsport ergreift viele Menschen, jeden Alters und überall auf der Welt. Eine Mischung aus Geräuschkulisse, Geschwindigkeit und einem bestimmten Duft – dem Hauch von Risiko – sind wesentliche Bestandteile dieser Faszination. Jeder Sport birgt gewisse Gefahren – das weiß der Bergsteiger wie auch der Skifahrer. Beim Motorsport kommt eben noch der Faktor Geschwindigkeit hinzu.

Schon immer waren sich die Verantwortlichen bewusst, dass im Ernstfall für die Rettung ein eingespieltes und kompetentes Rettungsteam unerlässlich ist. Deshalb entsendet der DMYV zu allen Motorbootrennen in Deutschland ein solches Team. Seit 2006 kommt dieses Team aus Weißwasser in der Oberlausitz. Die Mitglieder stammen vom dortigen Tauchsportclub Aqua-Team und dem DLRG Bezirk Weißwasser. In über 100 Veranstaltungen ist das Team bereits zum Einsatz gekommen. Durch jahrelange Erfahrung und besondere Übungen haben sie sich einen Kenntnisstand erarbeitet, der erst auf internationaler Ebene etwas Vergleichbares wiederfindet.

Intensive Belastung

Das Rettungsteam ist das erste Glied in der Rettungskette und legt den Grundstein für die Arbeit der Ärzte und Rettungskräfte. Jeder Einsatz ist anders und jedes Mal müssen sie vom Schlimmsten ausgehen. Dabei kommt dem Rettungsbootführer eine wichtige Aufgabe zu. Dieser steht per Funk permanent mit der Rennleitung und allen Streckenposten in Kontakt. Gibt die Rennleitung das Signal „Rot“ aus, bekommt Schnelligkeit eine gänzlich andere Bedeutung.

Dann geht es nicht mehr um den Sieg. Nun gilt es, das Rettungsboot schnellstmöglich, aber auch mit Umsicht zum Unfallort zu fahren. Zum Manövrieren an der Unfallstelle und für die Fahrt zur Anlegestelle benötigt der Bootsführer Erfahrung und einiges an Fingerspitzengefühl. Im Rettungsteam müssen alle wissen, wer was wann und wie zu tun hat. Denn viel Zeit zum Absprechen bleibt ihnen im Notfall nicht. Die Taucher müssen nach dem Sprung ins kalte Wasser wissen, wo sie anpacken müssen und was sich wie verhakt haben könnte – und das auch bei heftiger Strömung und meistens mit wenigen Zentimetern Sicht.

Wichtig ist, den Piloten schnell über Wasser und möglichst schonend zum Rettungsboot zu bringen. Zügig, aber mit der gebotenen Vorsicht, müssen sie den Piloten mittels Rettungsbrett an Bord des Rettungsbootes bringen. Wenn alles gut geht, haben sie lediglich einen nassen Rennfahrer an Deck, der sich über eine notwendige Nachtschicht zur Bootreparatur ärgern kann. Aber häufig genug ist die Lage auch ernster, dann muss neben den Boots - manns aufgaben auch dem Rettungsarzt assistiert werden.

Obwohl das Rettungsteam regelmäßig trainiert, geht ein solcher Renntag auch ihnen physisch in die Knochen. Dabei sind die möglichen Rettungseinsätze nur ein Teil der körperlichen Belastung. Schließlich müssen die Muskeln den ganzen Tag die kurzen heftigen Wellenbewegungen ausgleichen. Während der Kranpausen gibt es zwar kurze Erholungsphasen. Doch sobald die Rennboote wieder ihre Runden ziehen, gilt ihnen die volle Aufmerksamkeit. Jeder an Bord hat seinen Sektor des Kurses zu beobachten
und die anderen und den Bootsführer mittels Handzeichen zu informieren: „Boot liegengeblieben“, „Kollision“, „Treibgut“, „Wendeboje überfahren“ usw..

Dementsprechend darf man auch die mentale Belastung der Rettungscrew nicht vernachlässigen. Nicht nur erfordert ein solcher Renntag höchste Konzentration, sondern die möglichen Rettungseinsätze bedeuten ebenfalls eine psychische Belastung für das Team. Während des Einsatzes wird der Körper mit Adrenalin durchspült; er reagiert zumeist automatisch auf das Trainierte. Doch wie bei Ersthelfern, Sanitätern oder Feuerwehrleute kommen die Bilder in den Ruhephasen wieder zu Tage. Gleichgültig wie sehr sich jeder Einzelne vorbereitet, in der Realität müssen sie das Erlebte erst einmal verarbeiten.

Im Dienst der Sache

Wie für all die anderen fleißigen Helfer beginnt der Tag an einem Rennwochenende am frühen Morgen, nach einer langen Anreise am Vorabend. Sicherheits- und andere Besprechungen, Boot zu Wasser, Ausrüstung klarmachen und noch viele andere Handgriffe müssen erledigt sein, bevor gegen 9 Uhr (je nach Zeitplan) die Boote an den Start gehen. Ab diesem Moment bilden alle Helfer eine Art „Schicksalsgesellschaft“ und bis zum Ende des Renntages geben alle ihr Bestes. Dabei trotzen sie allen Witterungsbedingungen – egal ob Regen, Hagel, Kälte oder sommerliche Höchsttemperaturen.

Die DMYV-Rettungscrew versteht sich als Teil des großen Teams. Sie wissen, dass der Kranführer, die Bojenbeobachter, die Besatzung des Rettungswagens, der Versorgungsstand, die Rennleitung, der Schleppbootfahrer und all die anderen fleißigen Hände ebenso wichtig für den reibungslosen Ablauf eines Rennwochenendes sind. Daher übernimmt das Rettungsteam, das grundsätzlich nur mit der Rettung der Rennfahrer beauftragt ist, gerne auch mal andere Aufgaben. Mal fällt ein Schleppboot aus, mal helfen sie beim Setzen oder Einholen der Bojen. Oder auch bei der Bergung des Unglücksbootes. Meist haben die fleißigen Schleppboote schon die Rennstrecke geräumt, aber manchmal ist ein Rennboot auch halb oder gar ganz versunken. Hier ist es schon von Vorteil, wenn die jeweiligen Taucher wissen, wie man ein Rennboot wieder „auf die Beine“ stellt. Daher legen sie auch schon mal beim Kranen Hand an.

Ausstattung

Neben dem harten Training unterstützt die spezielle Ausrüstung das Rettungsteam bei seinen Einsätzen. Das Rettungsboot des DMYV wurde in seiner Gesamtheit genauso für diesen einen Zweck konzipiert: es hat ein verstärktes Cockpit; es ist leicht, schnell und hat viel Platz an Deck um unter Umständen auch zwei Verletzte behandeln zu können. Die breite Bugklappe ermöglicht ein schonendes Bergen der möglicherweise Schwerverletzten.

Zur Ausstattung gehören ebenso ein Schleppseil und Krangeschirr, um ein sinkendes Boot zu sichern bzw. das Boot für das Abschleppen am Kranhaken zu befestigen. Aber auch die Tauchausrüstung ist besonders. Für die meisten Hobby-Taucher würden Pressluftflaschen mit nur drei Litern Volumen nicht ausreichen. Doch dieses reicht dem Rettungstaucher, da er nur für kurze Zeit unter Wasser Luft bekommen muss. Für Laien erscheinen die Flossen merkwürdig geformt – erinnern sie doch stark an Entenfüße. Diese Flossen sind im Wasser normal gebräuchlich. Doch wenn der Taucher auf das Rennboot steigen muss, sind sie kurz genug, um ihn dabei nicht zu behindern. Hinzu kommen besonders schnitt- und stichfeste Tauchhandschuhe, um sich vor Sperrholz, scharfen Kanten und Propeller zu schützen.

Die Verbände und alle Beteiligten arbeiten stetig daran, die Sicherheit der Fahrer zu erhöhen. Am Ende geht es, wie in jeder Sportart darum, mit dem entsprechenden Einsatz auf dem Treppchen ganz oben zu stehen. Für die DMYV-Rettungscrew gibt es dennoch nichts schöneres, als am Ende eines Rennwochenendes zu sagen: „Gut, das wir nichts zu tun hatten.“

 

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