Projekt Hafenentschlammung

Reaktion auf Schlammfahrt in den Häfen III.

Eine Sedimentmasse von 2.962 m³ wurde entfernt.

Umgerechnet ca. 6.000 Tonnen Hafenschlamm wurden entsorgt.

Ein Hafen am Mittellandkanal, hier kommt mit jedem vorbeifahrendem Berufsschiff ein entsprechender Schwell in den Hafen, der die Sedimentpartikel in den Hafen spült. Die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers ist einlaufend deutlich größer als herauslaufend. Folge: Sedimentpartikel sinken ab und setzen sich im Hafen fest. Folglich nimmt die Masse mit der Zeit zu. Bei einem Motoryachtclub in einer mittelständischen Stadt kam es dadurch zu erheblichen Beschränkungen. Irgendwann gab es in ‚hinteren‘ Liegeboxen nur noch geringe Wassertiefe, die Fahrtmöglichkeiten waren eingeschränkt. Zu diesem Zeitpunkt forderten die Vereinsmitglieder ihren Vorstand dazu auf, den Hafen zu entschlammen. Es folgte eine dreijährige Projektphase, deren Umsetzung alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellte.

Als ersten Schritt suchte der Verein das Gespräch mit dem ersten Ansprechpartner des bestehenden Pachtvertrages – dem Bürgermeister. Angesichts der sowieso schon angespannten Haushaltslage war dessen Begeisterung, für einen Wassersportverein eine große Summe zur Entschlammung des Hafens auszugeben, entsprechend gering. Die Stadtverwaltung pochte auf Einhaltung von §4 des Pachtvertrages. Dieser besagte, dass der betroffene Motoryachtclub sich dazu verpflichte, „die von ihm errichteten und von ihm benutzten Anlagen des Sportboothafens ordnungsgemäß zu bewirtschaften und zu unterhalten. Ein wiederholter Verstoß gegen diese Verpflichtung berechtigt die Stadt […] nach erfolgloser Anmahnung zur Aufhebung des Nutzungsvertrages.“

Aus Sicht des Vereines wiederum handelte es bei der Ausbaggerung aber nicht um eine Unterhaltsleistung. Vielmehr ginge es um eine Instandsetzung, die die Mängeln oder Schäden, die insbesondere durch Abnutzung, Alterung und Witterungseinflüsse entstanden seien, zu beheben. Entsprechend berief sich der Verein auf §535 BGB: „Der Vermieter hat die Mietsache dem Mieter in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten.“

Klare Fakten schaffen

Parallel zu den Gesprächen mit der Stadtverwaltung nahm der Verein Gespräche mit dem Kreis-Umweltamt und Wasser- und Schifffahrts - amt (WSA) über die geplante Hafenentschlammung auf. In Absprache wurde ein Analyselabor beauftragt, eine Sedimentanalyse durchzuführen. Die Analyse der zehn entnommenen Proben ergab Ergebnisse von Z 0 (Uneingeschränkter Einbau; kann z.B. auf den Acker), Z 1 (Eingeschränkter Eingeschränkter offener Einbau; z. B. für Lärmschutzwall verwendbar), aber auch Werte von Z 1.2 (Eingeschränkter offener Einbau in hydrogeolgisch günstigen Gebieten) bei Leitfähigkeit und Sulfat.

Gleichzeitig beauftragte der Verein ein Wasserbau-Unternehmen damit, die zu entfernende Sedimentmasse zu berechnen. Deren Mitarbeiter fuhren den Hafen systematisch in einem Boot mit Sonarmessgeräten ab und berechneten anhand der Messkurven die Sedimentmasse entsprechend der vom Verein vorgegebenen Zieltiefe. Mit konkreten Werten über Sedimentmenge und -qualität wurden nun in Gesprächen mit Stadt und Umweltamt verschiedene Entschlammungsmethoden und Entsorgungsszenarien intensiv geprüft:

  1. Spülfeld anlegen und Sediment spülen;
  2. Hafenschlamm ausbaggern und mit Schuten zu einer Deponie am Mittellandkanal fahren, die auch vom WSA genutzt wurde;
  3. Ein Grundstück für ein einzurichtendes Spülfeld anmieten, Hafenschlamm ausbaggern und mit „Dumper-Gespannen“ zum Spülfeld transportieren;
  4. Hafenschlamm spülen und diesen dann in speziellen Geotubes trocknen und lagern (Entwässerungsschläuche);
  5. Hafenschlamm mit Schwimmbaggern ausbaggern und mit „Dumper-Gespannen“ in eine Deponie entsorgen.

Doch alle Szenarien waren mit Problemen behaftet. Für Szenario 1 hätte der Verein ein Spülfeld mindestens in der Größe des Hafens in Hafennähe benötigt. Dies war nicht möglich, da sich die Liegenschaft allerdings direkt an ein Naturschutzgebiet anschließt. Für ein entfernt einzurichtendes Spülfeld fand sich kein Landwirt, der dem Club eine entsprechend große Fläche für zunächst fünf Jahre verpachten wollte. Darüber hinaus hatte das Umweltamt die Einrichtung eines Spülfeldes mit klaren Auflagen belegt. So hätte die nach geschätzten vier bis fünf Jahren getrocknete Sedimentmasse vor einer weiteren Verwendung erneut analysiert werden müssen. Das Umweltamt warnte vor einem relativ hohen Risiko für die Verwertbarkeit. Folglich musste der Verein damit rechnen, die Masse schließlich doch noch als Sondermüll entsorgen zu müssen. Die Spannbreite der Angebote für das reine Spülen der Sedimentmasse in den Geotubes und deren Entsorgung lag zwischen 135.000 € bis ca. 230.000 €. Zu hohe Kosten für den Club, zumal dieser die Ausgaben für die Sanierung des lediglich gepachteten Hafens möglichst gering halten wollte.

Projektabschluss

Nach langen Diskussionen einigten sich beide Seiten über den Verkauf des Hafengeländes an den Verein. Damit war die Stadt das Problem ohne weitere Ausgaben los und der Club konnte als Eigentümer nun in das Hafengelände investieren. Nach einer sehr zeitaufwändigen Projektphase von rund drei Jahren konnte die dringend notwendig gewordene Hafenentschlammung 2014 in einem Zeitraum von 15 Tagen umgesetzt und eine Sedimentmasse von 2.962 m³ entfernt werden. Umgerechnet ca. 6.000 Tonnen Hafenschlamm mit einer LAGA Z 1.2. Klassifizierung wurden in 388 Gespannfahrten in einer Deponie entsorgt.

Der Lohn der Arbeit war für den Verein ein Hafen mit einer wieder ‚komfortablen‘ Wassertiefe von ca. 2 m an den Liegeplätzen und bis über 3 m in den Verkehrsflächen. Das Projekt konnte für rund 124.000 € umgesetzt werden und lag damit in dem für den günstigsten Fall prognostizierten Budgetrahmen.

 

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