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Eine wichtige Vorbemerkung Dieser kleine Reiseführer kann dem motorisierten Wassersportler natürlich nur einen kleinen Überblick über die baltischen Staaten mit den Ländern Litauen, Lettland und Estland und den wassersportlichen Möglichkeiten in diesen Ländern geben. Wir wollen versuchen, dem interessierten Wassersportler und Tourensegler das gesamte Spektrum von Vorschriften und Sicherheitsvorkehrungen aufzuzeigen, die erforderlich sind, um eine Reise in diesem noch relativ jungen Wassersportrevier erfolgreich durchführen zu können. Da es sich hierbei um reine Küstenländer handelt, die über relativ große Seestrecken zu erreichen sind, haben wir hier die Sicherheit an erste Stelle gestellt. Die Anreise sollte über Bornholm mit seinem südlichen Hafen Neksö und dann über die polnischen Häfen gehen wie Leba, übrigens eine sehr moderne Marina, sowie Hela an der Nordost-Ecke Polens mit den Häfen Gdansk/Danzig und dann über die Danziger Bucht nach Klaipeda, womit wir den ersten litauischen Hafen erreicht haben. Selbstverständlich muss sich jeder Bootsführer noch weiterführendes Reisematerial über das Revier, welches er befahren will, beschaffen. Allgemeines über das Baltikum Das heutige Gebiet, das gemeinhin als "Baltikum" bezeichnet wird, wurde vor 4000 Jahren von den baltischen Stämmen besiedelt. Über Jahrhunderte haben jedoch insbesondere Deutsche, Dänen, Schweden, Polen und Russen ihre Spuren hinterlassen. Anfang des 20. Jh. - nach dem Ersten Weltkrieg - entstanden drei selbständige Nationalstaaten. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges verloren diese ihre Unabhängigkeit, die erst zu Beginn der 90er Jahre wiederhergestellt werden konnte. Seit Mai 2004 sind die Republiken Estland, Lettland und Litauen Mitglieder der Europäischen Union.
Die drei baltischen Staaten umfassen eine Fläche von der halben Größe Deutschlands. Was die kulturelle Vielfalt angeht, stechen Litauen, Lettland und Estland aber wesentlich größere Staaten aus. Über 4000 km Ostseeküste mit weitgehend unbebauten hohen Dünen und hügeligem Land, wobei der höchste Berg gerade mal 318 m misst. Das maritime Kontinentalklima sorgt für warme und trockene Sommer und kalte Winter. Im Sommer sprüht das ganze Land voller Musik und Gesang.
Litauen Das südlichste und gleichzeitig das größte mit 65.301 qkm Fläche und mit 3,5 Millionen Einwohnern am stärksten besiedelte Land ist Litauen. Die Hauptstadt ist Vilnius im Süden des Landes mit 543.000 Einwohnern, es folgt Kaunas mit 356.000 Einwohnern. Der Nemunas (Memel) ist die einzige Binnenwasserstraße des Landes, die aber nur bis Kaunas schiffbar ist. Sie verbindet den Hafen Kaunas mit dem Ostseehafen Klaipeda über eine Strecke von 202 km. In Kaunas ist die Weiterfahrt durch ein großes Kraftwerk ohne Schleuse behindert, sonst könnte man weitere 200 km zu Berg fahren. Die Küstenlänge beträgt nur 99 km mit dem Hafen Klaipeda/ Memel an der Kurischen Nehrung. Dieses Gebiet ist im Sommer ein Ferienparadies mit den Orten Preila/Sandkrug, Juokrante/ Schwarzbrot und Nida/Nidden auf der Kurischen Nehrung. Die riesigen Sanddünen erreichen auf der Nehrung eine Höhe von 60 m, so dass leicht der Eindruck entsteht, man sei in der Sahara. Lettland Der geographisch zentrale baltische Staat liegt auch bei der Größe in der Mitte. Mit 64.589 qkm ist er nur wenig kleiner als Litauen, hat aber nur 2,4 Millionen Einwohner, davon sind 59 % Letten und 29 % Russen. Die Hauptstadt Riga (735.000 Einw.) ist eine alte Hansestadt. Lettland hat mit seinen 494 km Küstenlange und den Häfen Liepaja/Libau, Pavilosta und Ventspils/Windau schon eine Menge Verantwortung für die westliche Ostseeküste. An der Nordspitze liegt der Kontrollpunkt Kolka als Eingang in den Rigaer Meerbusen. Weiter südlich erreicht man dann den Hafen Riga. Westlich davon liegt die Ansammlung von ineinander übergehenden Küstenorten der Rigaer Bucht, die zur Gemeinde Jurmala, (übersetzt so viel wie "Meeresgrund") zusammengeschlossen sind. Seit mehr als 100 Jahren ist Jurmala der wichtigste Ostseeferienort - die "Sommerfrische Lettlands". Weiter nördlich finden wir dann die Häfen Saulkrasti, Salacgriva und Ainazi. In Lettland gibt es heute keine gewerbliche Binnenschifffahrt. Die ersten 10 km der Daugava/Düna von der Ostseemündung bis zum Hafen Riga dienen als Fahrwasser der Hochseeschiffe. Ein riesiges Wasserkraftwerk mit nicht fertiggestellten Schleusen, verhindert die Weiterfahrt auf dem Fluss. Estland Das nördlichste der drei baltischen Staaten ist Estland. Es grenzt im Westen und Norden an die Ostsee, im Osten an die russische Föderation und im Süden an Lettland. Auf einer Fläche von 45.227 qkm leben 1,4 Millionen Menschen, die in einem einzigartigen Naturparadies wohnen mit den beiden großen Inseln Dagö und Ösel vor der Rigaer Bucht. Die Esten fühlten sich schon immer mehr zu Skandinavien als zum Baltikum zugehörig, das hat aber eine lange Geschichte. Hauptstadt ist Tallin ganz im Norden und Hauptfährhafen nach Finnland. Seine 3.794 km Küstenlänge verdankt es der Inselgruppe Saaremaa/Ösel und Hiiumaa/Dagö. Nach dem zweiten Weltkrieg war Saaremaa lange militärisches Sperrgebiet - einer der Gründe, warum sich die Insel ihre verträumte Ursprünglichkeit bewahrt hat. Heute stellen große Teile dieser von Saaremaa Estlands Nationalparks dar. Erweiterung des Schengen-Raumes Seit dem 21.12.2007 sind die Baltischen Staaten dem Schengener Abkommen beigetreten. Das bedeutet, dass die Reisenden, die dem Schengener Raum betreten bzw. verlassen nicht mehr von der Bundespolizei kontrolliert werden.
Nach den Bestimmungen des Schengener Grenzkodex entfällt für Personen an Bord von Sportbooten (Vergnügungsschifffahrt), die zwischen den Schengen-Vollanwenderstaaten reisen, die Verpflichtung einen Hafen anzulaufen, der als Grenzübergangsstelle zugelassen ist. Dieser Reiseverkehr ist grundsätzlich von der Ein- und Ausreisekontrolle befreit. In diesem Fall ist eine Grenzerlaubnis nicht mehr erforderlich.
Zu den Schengen Vollanwenderstaaten gehören derzeit für den Bereich der Ost- und Nordsee: Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Polen, Estland, Lettland und Litauen.
Ausgenommen ist hier lediglich die russische Republik zwischen Litauen und Polen mit Königsberg als Hafenstadt. Für diesen Staat benötigt man noch ein Visum. Wir haben für diese Föderation keinen Revierführer erstellt.
Selbstverständlich sind alle Besatzungsmitglieder verpflichtet, sich durch einen Personalausweis oder durch einen gültigen Reisepass; bei Kindern auch mit Lichtbild, bei einer Kontrolle durch ein Fahrzeug der Bundespolizei auszuweisen.
Führung eines Seetagebuches (Logbuch) auf Sportbooten Das Führen eines Seetagebuches ist laut Seeschifffahrtsanpassungsgesetz, § 2 Abs. 1, Schiffssicherheit, für alle Schiffe, die zur Seefahrt bestimmt sind und deren Eigentümer Deutsche mit Wohnsitz in der Bundesrepublik sind, d. h. die Bundesflagge führen, zwingend vorgeschrieben. Wenn sich also ein Freizeitskipper mit einem Sportboot über 6 m Länge regelmäßig in Fahrtgebiete außerhalb der Grenzen der Seefahrt bewegt (in der Kieler Förde ist es außerhalb der Linie Leuchtturm Friedrichsort - Ehrenmahl Laboe), muss er ein Seetagebuch führen. Der Gesetzesgeber hat bisher auf feste Formvorschriften für ein Seetagebuch (Logbuch) für Sportboote verzichtet, es wird aber an die gute Seemannschaft und an die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Wassersportlers appelliert, sich als ordentlicher Schiffsführer zu verhalten, und dazu gehört u. a. die Führung eines Schiffstagebuches oder Logbuches, wie wir es nach altem Brauch in der Sportschifffahrt nennen. Der Schiffsführer kann mit der Führung dieses Logbuches natürlich auch eine zweite Person, z. B. die Skipperin beauftragen. Der DMYV hat ein neues Logbuch herausgebracht, das den Mindestanforderungen dieses neuen Gesetzes entspricht und gleichzeitig auf den Fahrten der Binnenwasserstraßen geführt werden kann. Es entspricht gleichfalls den Anforderungen für die Tourenwettbewerbe unseres Verbandes und ist auch später noch eine gute Erinnerung an vergangene Fahrten und Reisen mit dem Schiff. Verkehrstrennungsgebiete in der Ostsee
In der westlichen Ostsee gibt es für große, tiefgehende Berufsschiffe die sogenannten Verkehrstrennungsgebiete. Das Verhalten in diesen Gebieten ist in der Regel 10 der Kollisionsverhütungsregeln (KVR) verbindlich geregelt. Ein Fahrzeug, das ein Verkehrstrennungsgebiet (VTG) benutzt, muss: - auf den entsprechenden Einbahnweg in der allgemeinen Verkehrsrichtung dieses Weges fahren.
- an der äußeren rechten Kante des Einbahnweges fahren.
- wenn es am Ende des Einbahnweges ein oder ausläuft, dies in einem möglichst kleinen Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung tun.
- im Bereich des Zu- und Abgangs eines VTG besonders vorsichtig fahren.
- das Queren vom VTG möglichst vermeiden. Ist das Fahrzeug zum Queren eines VTG gezwungen, so muss es die Einbahnwege eines VTG in der Weise queren, dass möglichst die Kielrichtung im rechten Winkel (maximale Abweichung + / - 10 %) zur allgemeinen Verkehrsrichtung verläuft, um so das Gebiet in kürzester Zeit zu queren.
- für den durchgehenden Verkehr jederzeit eindeutig sein, dass das Fahrzeug den Einbahnweg quert und nicht in ihn seitlich einläuft.
Seewetterberichte für die Ostsee Die Tatsache, dass der Skipper eines Sportbootes in der Ostsee sehr vom Wetter abhängig ist, verpflichtet ihn, sich rechtzeitig mit der Großwetterlage und den jeweiligen Windverhältnissen für das zu befahrene Seegebiet zu befassen. Ein umsichtiger Schiffsführer verfolgt die Seewetterberichte täglich während der gesamten Reise.
Bei der Abreise aus Deutschland sollten Besitzer von Seefunkgeräten sich dem UKW Dienst anschließen, z. B. DP 07 - Seefunk (Delta Papa null sieben - Seefunk) in 21129 Hamburg, Estedeich 84. Tel. (0 40) 23 85 57 82. Dieses private Unternehmen versorgt die Sportbootfahrer u. a. fünf mal täglich mit Seewetterberichten und Windwarnungen über die Küstenfunkstellen Kiel-, Lübeck- und Arkona-Radio. Die Sendezeiten sind 07.45, 09.45, 12.45, 16.45 und 19.45 Uhr CET. Die Ankündigung erfolgt über Kanal 16, gesendet wird über die Arbeitskanäle. Der Betreiber sendet außerdem dreimal täglich Trendmeldungen für die nächsten 3-5 Tage. Als Mitglied des DMYV beträgt die Saisongebühr 28.00 Euro, ein geringer Betrag für die Leistung. Mit einem normalen Rundfunkgerät erhält man den Seewetterbericht auch über den Deutschlandfunk auf der MW 972 kHz um 08.30 und 22.05 Uhr, und außerdem kann man über die Deutsche Welle auf 6075 und 9545 kHz um 13.45 Uhr den Seewetterbericht empfangen. Als guter Tipp hat sich auch die Anfrage bei den Hafenmeistern erwiesen, die auf UKW Kanälen 12, 14 oder 16 zu erreichen sind.
Seewetterbericht in den Baltischen Staaten Ein Wetterbericht in englischer Sprache wird gesendet auf Kanal 71 um 07.00 und 15.00 Uhr und in der Liepaja Region auf Kanal 11 um 08.05 und um 20.05 jeweils lokale Zeit. Einreiseformalitäten Grundsätzlich müssen sich einlaufende Boote in einem fremden Hafen bei den Grenzübergangsstellen für die Passkontrolle melden. Zur Einreise in die baltischen Staaten benötigen Staatsangehörige der Europäischen Union kein Visum. Jeder Bundesbürger aus einem EU Land benötigt aber generell für den Aufenthalt von bis zu drei Monaten in den baltischen Staaten einen am Tage der Einreise gültigen Reisepass oder Personalausweis. Kinder unter 16 Jahren benötigen einen Kinderausweis bzw. Kinderpass, der unabhängig vom Alter des Kindes mit einem Lichtbild versehen sein muss. Bei der Einreise wird ein Nachweis über eine gültige Krankenversicherung verlangt. Die Dokumente müssen noch mindestens 3 Monate über das Reiseende hinaus gültig sein. (siehe auch www.auswaertigesamt.de)
Für das Boot wird der Internationale Bootschein des Deutschen Motoryachtverbandes als Registrier- und Eigentumsnachweis in den Baltischen Staaten anerkannt. Zum Führen eines Motorbootes ist in den Baltischen Staaten kein Motorbootführerschein erforderlich, es wird aber ein nautisches Befähigungszeugnis empfohlen. Der deutsche Sportbootführerschein wird überall in den Baltischen Staaten anerkannt. Bootshaftpflichtversicherung Für Wassersportfahrzeuge besteht in den baltischen Staaten kein Haftpflichtversicherungszwang. Der Abschluss einer solchen Wassersporthaftpflicht-Versicherung ist aber für alle Tourenbootfahrer zu empfehlen.
Zollbestimmungen An den Binnengrenzen zwischen den Ländern der EU finden keine Zoll- und Grenzkontrollen mehr statt. Wer jedoch über See mit seinem Boot in ein EU Land einreist, also die Außengrenzen passiert, muss im ersten Hafen einklarieren. Es muss also jedes im baltischen Hoheitsgewässer einlaufende Boot auf direktem Wege einen Zollhafen (Hafen mit Zollamt) anlaufen. Im privaten Reiseverkehr innerhalb der EU können Waren zum eigenen Verbrauch unbegrenzt mitgeführt werden. In den Baltischen Staaten ist jedoch die Einfuhr von Alkohol und Tabakwaren mengenmäßig beschränkt. Für Reisende, die das 20. Lebensjahr vollendet haben, dürfen folgende Mengen eingeführt werden: Zur Abgrenzung zwischen privater und gewerblicher Verwendung gelten folgende Richtmengen 10 Liter Spirituosen über 22 % oder 20 Liter Starkwein über 15 % sowie 90 Liter Wein (davon max. 60 l Schaumwein) und 110 Liter Bier über 3.5 %. 800 Zigaretten und 400 Zigarillos und 200 Zigarren 1000 Gramm Rauchtabak Wetterverhältnisse in der westlichen und der mittleren Ostsee Eine Reise in die Baltischen Staaten stellt höhere Anforderungen an die Navigation, auch wenn heute alle Schiffe mit Navigationshilfsmitteln wie GPS usw. ausgerüstet sind. Es sind größere Strecken über See zu absolvieren und die Besatzung muss dem gewachsen sein. Die Hauptwindrichtung sind westliche Winde und die Stromverhältnisse an der Pommerschen Küste sind ebenfalls westlich, wobei man auch mit einem Nährstrom rechnen kann, der ganz unter der Küste östlich ist. Entfernungen zwischen deutschen Häfen und den Häfen der Baltischen Staaten Da die Strecke über See auf einer Fahrt in den Baltischen Staaten schon eine ganze Menge ist, gehen wir hier noch einmal auf die Entfernungen ein, die zwischen den einzelnen Häfen liegen. Gehen wir davon aus, dass Fahrtensportler aus dem westdeutschen Raum durch den NOK bzw. von Lübeck-Travemünde über Bornholm/Neksö fahren: Kiel nach Gedser ca. 65 sm von Gedser nach Neksö/Bornholm 120 sm Lübeck Travemünde nach Nakso/ Bornholm ca. 170 sm von Neksö/Bornholm nach Klaipeda/Litauen sind es dann 205 sm von Nekso nach Liepaja sind es in der Direktansteuerung 215 sm von Neksö nach Leba sind es dagegen nur 105 sm und dann fährt man die Küste in Sicht weiter bis Hela ca. 50 sm von Hela in einem Törn über die Danziger Bucht nach Klaipeda ca. 100 sm
Schiffsführer, die aus Berlin/Brandenburg kommen, werden sicher die Oder bei Swinemünde oder sogar die Dievenonw als Ausgangspunkt wählen und dann die Ostseehäfen auf ihrem Törn in Richtung Litauen, Lettland oder Estland wählen. Dies ist ohnehin die sicherste Route für ein Sportboot: von Svinoujscie nach Leba sind ca. 125 sm von Leba nach Klaipeda ca.135 sm von Klaipeda nach Liepaja ca. 50 sm von Liepaja nach Ventspils ca.60 sm von Ventspils nach Riga nochmals ca.120 sm von Ventspils dann nach Tallinn sind es nochmals 200 sm von Swinemünde nach Tallinn sind es über Leba und Ventspils ca. 575 sm Nautisches Material Für dieses Gebiet ist eine Versorgung mit den neuesten Hafenhandbüchern unerlässlich. Wir verweisen auf das Handbuch der Kreuzerabteilung Ostsee, Teil II. Hierin sind in der neuesten Ausgabe die Länder Estland, Lettland, Litauen und Polen aufgeführt. Sportschifffahrtskarten gibt es im NV- Verlag Polen –Litauen –Lettland, von Kolberg bis Riga. Serie 6.
… für die Reise ins Baltikum durch die polnischen Binnengewässer Wenn Bootsfahrer die langen Seestrecken scheuen oder auf der Rückreise die Strecken nicht immer "gegenan" wollen, bietet sich natürlich von Gdansk die polnische Binnenwasserstraße an: Die so genannte Oder-Weichsel-Binnenwasserstrasse, die in Gdansk/ Danzig beginnt (siehe Revierführer Polen des DMYV) und in Köstrzyn endet. … für die Russische Föderation Hier liegt die russische Föderation mit Kaliningrad/Königsberg dazwischen, welche aber nur mit Visa betreten werden darf, das nicht als Tages - Grenzdokument zu bekommen ist. Aus diesem Grunde gehen wir hier in dieser Betrachtung nicht darauf ein. Mitnahme von Haustieren Für Hunde und Katzen gibt es einen besonderen EU-Heimtierausweis, in welchem die Tiere mittels Mikrochip oder Tätowierung und einer gültigen Tollwutimpfung eingetragen werden (mindestens 30 Tage und maximal 12 Monate vor Grenzübertritt). Für diesen Vorgang sind mindestens 6 Monate einzuplanen. Signalwaffen Eine Signalpistole gilt als Waffe und darf in den drei Baltischen Staaten an Bord nicht mitgeführt werden. Es ist den Bootsführern zu empfehlen, auf diesen Reisen auf herkömmliche Rettungsmittel zurückzugreifen. Treibstoffversorgung Die Versorgung der Sportboote in den baltischen Häfen mit Diesel- und Benzinkraftstoff ist sehr gut ausgebaut. Überall gibt es Bunkerstationen, die zu den üblichen Zeiten geöffnet haben. Die Preise belaufen sich auf 0,72 bis 0,78 Euro pro Liter Diesel.
Seenotfunk, SAR-Einsätze Die SAR-Einsätze an der baltischen Küste werden von den einzelnen Staaten wahrgenommen. Also von Klaipeda MRCC, von Riga MRCC, Pärnu und von Tallinn MRCC. Die Küstenfunkstellen garantieren eine ununterbrochene Hörbereitschaft auf UKW Kanal 16. Zahlungsmittel Die baltischen Staaten sind noch nicht in der Währungsunion, sondern haben noch Ihre eigene Währung. Litauen: Währungseinheit: 1 Litas (LTL) = 100 Centas 1 Euro = 3,45 LTL 1 LTL = 0,29 Euro Lettland: Währungseinheit: 1 Lats (LVL) =100 Santimis 1 Euro = 0,71 LVL 1 LVL = 1,40 Euro Estland: Währungseinheit: 1 Kroon (EEK) = 100 Senti 1 Euro = 15,65 EEK 100 EEK = 6,39 Euro Zum Abheben von Bargeld gibt es in den Baltischen Staaten mit der EC-/Maestro-Card genügend Geldautomaten. Die größeren Geschäfte, Hotels und Restaurants sowie Autovermietungen akzeptieren Kreditkarten . Umtausch von Propangasflaschen Der Umtausch von Propangasflaschen ist in den drei baltischen Staaten zur Zeit nicht möglich. Man sollte sich also noch in Deutschland mit Gas versorgen. Wer für längere Zeit in den Baltischen Staaten verweilen will, sollte ein Verbindungsstück mit Schlauch zum Auffüllen der Flaschen an Bord haben. Telefonieren In allen drei Ländern ist das Telefonieren kein Problem. Sie bekommen die Telefonkarten an den Postschaltern und sonst an vielen Kiosken. Die Landesvorwahl für Litauen ist ++370, für Lettland ++371 und für Estland ++ 372. Es bestehen internationale Roaming-Abkommen. Häfen an der baltischen Küste Die Einreise mit einem Schiff in die Baltischen Staaten muss grundsätzlich über einen Grenzübergangshafen (Zollhafen) erfolgen. Hier in Klaipeda ist der einzige Zollhafen an der litauischen Küste und das Büro ist täglich von 8.00 bis 18 .00 Uhr geöffnet. Nida/Nidden liegt 25 sm südlich von Klaipeda an der Kurischen Nehrung. Er ist touristisch voll erschlossen und macht mit seinen Gästehäfen zwischen den Dünen und Kiefernwäldereinen sehr gepflegten Eindruck. Alle
Klaipeda/Memel ist der einzige Ostseehafen Litauens. Die Hochhäuser von Kleipeda sind auf 17 sm zuerkennen, ebenfalls die Dünen der Kurischen Nehrung. Anmeldung über Kanal 12, „Kleipeda Trafik“. Er ist gleichzeitig Fährhafen, Fischereihafen und Zollhafen von Litauen. Der Gästehafen liegt gegenüber der Stadt im Klaipeda Yacht-Club. Strom- und Wasseranschluss sind vorhanden, Internet / WLAN nicht vorhanden, Bankautomaten in der Altstadt sowie Versorgungsläden für den täglichen Gebrauch. Entfernung nach Liepaja/Libau 48 sm.
Lettland Die Einreise in Lettland muss auch hier über die Grenzübergangshäfen (Zollhäfen) erfolgen. Diese Büros sind in der Regel von 09.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Man sollte sich hier aber über Kanal 12 oder 16 melden.
Liepala/(Libau) Anmeldung über Kanal 11 über die südliche Einfahrtsrinne. Zollhafen, gleich südlich der Einfahrt. Liegeplätze vor dem Hotel „Promenada“, der Bootsmann hilft beim Festmachen. Strom- und Wasseranschluss vorhanden. 25 Gastplätze. Anruf Liepala 31“ Saubere Toiletten und Duschen sowie Waschmaschinen und Trockner und Sauna im Hotel. Internet vorhanden. Die Liegeplätze werden nachts bewacht. Beim Hafenmeister wird einklariert, er schreibt Passnummer auf und faxt sie dann zur Border Guard. Beim Auslaufen muss man 30 Min vorher die Fahrt ankündigen. Entfernung nach Pavilosta 26 sm.
Pavilosta / Paulshaven Kleiner ländlicher Hafen, Die Mole ist aus einiger Entfernung gut sichtbar und die Richtmarken sind gut erkennbar. Da die kanalartige Einfahrt nicht durch Wellenbrecher geschützt ist, muss bei W - NW Stürm mit erheblichen Schwell gerechnet werden. Ca 300 m hinter dem Molenkopf liegt an Stb. die neue Marina mit allen Kompfort einer modernen Marina, wie Strom- und Wasseranschluss sowie Duschen und Waschmaschinen und Trockner. Internet /WLAN Anschluss sind vorhanden. Ein kleiner, gut sortierter Laden für den täglichen Bedarf ist vor Ort, Eine moderne saubere Tankstelle ist 300 m flussaufwärts zu erreichen, hier gibt es Diesel und Benzin aus dem Schlauch. Vor dem Auslaufen muss man die Border Control über Kanal 12 Informieren. Entfernung nach Roja 95 sm Ventspils/Windau, Zollhafen, ehemalige Hansestadt und großer Industriehafen mit Oelpier, im Yachtclub Vintspils 25 Gästeplätze, VHV 9, 67,16; Anruf: "Ventpils Traffic"
Roja, 57° 30,5'N 22°49'E, Kleiner Fischereihafen 12 Gästeplätze, VHV 10 "Roja 10" Einfahrt durch die Mole problemlos, dann folgen relativ klein rote und grüne Tonnen. Vor der Straßenbrücke liegt ein Ponton der beidseitig belegt werden kann. Strom- und Wasseran-schluss sind vorhanden und Toiletten sind 100 m entfernt im Container untergebracht.
Engure, Club-und Gastliegehafen, Einfahrt 270°, 15 Gastliegeplätze, VHV 6 , 10; Anruf: "Enguro 52".
Jurmala, Ferienort für Riga mit kilometerlangem Sandstrand, 10 Gästeplätze, Einfahrt 152° Latvinas Yachtclub, VHV 10 "Jurmala 52", Jurmala ist ein typische Badeort mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants. Zugverbindung nach Riga.
Riga, Zollhafen, ehemalige Hansestadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Die Einfahrt durch die Mole auf dem Fluss Daugawa ist problemlos, allerdings sollte man den Strom von ca. 1.5 sm beachten. Anmeldung über Kanal 9 „Riga Trafic“ 50 Gästeplätze im Rigaer Yacht Centre Andrejosta, Duschen und Toiletten sind beim Hafenmeisterbüro im Container untergebracht, Strom und Wasser am Steg. Tankstelle für Diesel und Benzin am gesonderten, gut abgefederten Steg vorhanden. Zahlung in Landeswährung oder per Kreditkarte. Keine Hafen- uns Stegbeleuchtung.
Ruhnau Estnische Insel mitten im Golf von Riga Zu erkennen an zwei Windmühlen und einem Windsack vom in der Nähe befindlichem Flugplatz. Ansteuerungstonne und Richtbaken sind befeuert. Einfahrt von SO ab An- steuerungstonne. Im Westteil des Hafens neue Holzpier mit Strom- und Wasseranschluss. Hafenmeister ist sehr behilflich, spricht gut englisch. Toiletten und Duschen sowie Sauna vorhanden. Internet / WLAN vorhanden. Die Border Guard ist von 8-00 bis 22 Uhr erreichbar und verfügt über ein modernes Geräte, welches auch von den Rettungseinsätzen der Coast Guard benutzt werden . Der Ort ist 3 km entfernt, kein Taxi. Vor Ort Entfernung nach Riga 68 sm, nach Kuressaare.
Kuressaare, Zollhafen Die Einfahrt ist gut betonnt mit rot/grünen Tonnenpaaren in den 2.70 m Tiefen Kanal, Moderner Yachthafen verfügt über Schwimmstege mit davor liegenden Bojen. Strom-und Wasseranschluss an den Stegen. Toiletten, Duschen und Sauna beim Hafenmeister Die Toiletten werden nachts abgeschlossen. Das Restaurant „Boston“ hat bis 23-00 geöffnet. Der Hafenmeister weist Liegplätze zu und ist beim Anlegen behilflich. Liegeplätze sind reichlich vorhanden, Bunkerstation ist vorhanden, Bedienung durch den Hafenmeister. Entfernung nach Pernü 70 sm.
Zollhafen in Estland Die Ein- und Ausreise muss in Estland über einen Grenzübergangshafen (Zollhafen) erfolgen. Die Zollhäfen sind normalerweise von 09.00 bis 19.00 Uhr besetzt, aber viele kleine Zollhäfen werden auch von anderen Hauptzollämtern mit versorgt, und man sollte sich schon rechtzeitig über VHV 16 melden.
Salacgriva, Zollhafen wenn man von Norden komt oder nach Norden geht. Kleiner Fischerhafen, kleiner Service vorhanden, VHV 12, 16 Anruf: Salacgriva 52"
Pärnu/ Pernau Zollhafen, Die von Westen kommende Zufahrt liegt weit außerhalb. Ab Kirnhu-Rinne ist da Fahrwasser durchgehend bis Pärnu mit Spierentonne/Leuchttonnen markiert. Das linke Ufer wird von gewerblichen Schiffen besetzt. Am rechten Ufer befindet sich der Yacht Club mit mehreren Fingerstegen mit davor liegende Bojen. Hier gibt es Strom und Wasseranschluss und Internet- und WLAN Anschluss. Hotel mit Restaurant ist vorhanden. Tankstelle für Diesel und Benzin ist 24 Std. besetzt, Ein geschützter Hafen des Yachtclubs Pärnu, der 20 Gastliegeplätze bietet. VHV 16 "Jahtklubi" Tel.: 372-44-41948 Im Golf von Pärnu baut sich sehr schnell eine steile, hohe See auf.
Wenn man von Schweden oder von Ventspils kommt, steuert man als erstes den Zollhafen Nasva (58°13'N 22° 23,7'E) auf der Insel Saaremaa an. Man kommt von Süden durch die Irben Strasse und geht dann nordwärts. Er ist ein Fischereihafen und gleichzeitig Heimathafen des Yachtclub Nasva. Ansteuerung von der Eisboje 58°11,6'N; 22°23,7 E und dann die Peilung 13,3° VHV 16 oder 72 Tel. 372-45-75142
Roomassaare, Zollhafen, sehr geschützter Handels- und Gasthafen auf der Insel Saaremaa, 40 Gastliegeplätze, Einfahrt 351° VHV, 14, 16, Anruf: "Roomssaare 32"
Veere, Zollhafen, Fischerei- und Handelshafen an der Nordwest Ecke von Saaremaa, liegt sehr geschützt, 10 Gastliegeplätze, bewacht. VHV 16 , 32. Tel.: 372-45-56701.
Wenn man von Riga oder Salacgriva kommt, steuert man den Hafen Pärnu/Pernau als Zollhafen an. Ein geschützter Hafen des Yachtclubs Pernu, der 20 Gastliegeplätze bietet. VHV 16 "Jahtklubi" Tel.: 372-44-41948
Steuert man von Norden Estland an, so findet man an der Nordspitze der Insel Hiumaa/Dagö den Zollhafen Lehtmaa, ein Fischerei-, Handels- und Gasthafen für 30 Gastliegeplätze. VHV 10, 16. Tel.: 372-46-96104
Dirhami, Zollhafen an der Nord/West Ecke von Estland, Fischerei- und Handelshafen, 20 Gastliegeplätze, Einfahrt 170,3°. VHV 10, 16. Anruf " Dirhami 23"
Tallinn/Reval, ehemalige Hansestadt, ist der wichtigste und größte Hafen Estlands. In der bucht von Tallin sollte man sich an die für die Freizeitschifffahrt herausgegebenen Fahrtrouten halten, denn es herrscht ein reger Verkehr von Schnellfähren und normalen Fähren. Er ist Zollhafen und Gastliegehafen für 50 Liegeplätze, sämtliche Service Leistungen sind vorhanden. Tel: 372-22-38033 , VHV 16, Anruf: "Pirita Marina".
Vergi, Zollhafen, Fischerei- und Clubhafen , Einfahrt 262°, 20 Gastliegeplätze, VHV 16, Anruf: Vergi Sadam", Tel: 377-32-98650.
Seekarten für Lettland und Estland Die lettischen und estländischen Küsten sind inzwischen mit neuen lettischen und estländischen Seekarten abgedeckt, sodass man hier keine navigatorischen Bedenken haben muss und diese Karten vor Ort beim Fachhandel erwerben kann. Es empfiehlt sich ohnehin diese Karten immer vor Ort erst zu kaufen. Auch gibt es schon Sportbootkarten-Sätze mit den Ansteuerungen der kleinen und mittleren Häfen. Diese Karten sind zur Zeit bei Bade und Hornig, Herrengraben 31 D-20459 Hamburg erhältlich.
Yachtcharter in den Baltischen Staaten Es ist uns keine Yachtagentur in den baltischen Staaten bekannt, die Motoryachten zur Vermietung anbietet. Interessenten sollten sich im Internet umsehen.
Schlusswort
Liebe Wassersportfreunde!
Die Länder Estland, Lettland und Litauen, die wir in dieser kleinen Broschüre immer wieder als "Baltikum" bezeichnet haben, begreifen sich selbst nicht unbedingt als diese Einheit. Der Reisende wird schnell feststellen, dass es sich um drei eigenständige Länder mit vielen Gemeinsamkeiten aber auch ebenso vielen Unterschieden handelt. Das beginnt z. B. bei den jeweiligen Landessprachen. Ein Lette versteht kein Estnisch, ein Este kein Litauisch und auch Lettisch und Litauisch ähneln sich heutzutage nur sehr entfernt.
Wir haben Ihnen hiermit die Grundvoraussetzungen für eine Reise mit einem seetüchtigen Boot in die Nachbarstaaten gegeben. Wassersportler können diese Länder Europas neu entdecken und sind aufgefordert dorthin zu fahren, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Es gilt, die Länder mit ihren endlosen Stränden und riesigen Dünen mit Kiefernwälder kennen zu lernen. Sie können hier stundenlang am Strand entlang wandern, ohne einen Menschen zu treffen. Überall treffen Sie hier noch auf deutsche bzw. europäische Geschichte, die diese Länder über 700 Jahre geprägt hat. Nicht zu vergessen die hellen Nächte, die sie vielleicht von Skandinavien kennen, verbunden mit einem kräftigem Hoch über Südfinnland.
Der westliche Standard in den Liegeplätzen fehlt hier noch teilweise, aber daran wird fleißig gearbeitet und mit etwas Fingerspitzengefühl kann man auch hier viel erreichen um einen guten Liegeplatz zu bekommen. Die Anfahrstrecken sind zwar auf dem ersten Blick ziemlich weit, aber, wenn man sich genauer mit dem Thema befasst, kann man nach einer gewissen Strecke zunächst umdrehen und fährt das nächste Mal etwas weiter.
Tragen sie dazu bei, dass diese drei Ostseestaaten wieder von mehr Menschen als Teil Europas wahrgenommen werden.
Deutscher Motoryachtverband e.V. Anschriften Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Litauen Sierakausko Gatve 24/8 2600 Vilnius /Litauen Tel.: 00 37 02-65 02 72
Staatliches Touristikamt Litauens A. Juozapavicius 13 09311 Vilnius Tel.: 0 03 72 7 22 99 45 info@tourism.lt
Lettland Basteja Bulvaris 14 1950 Riga/Lettland Tel.: 00 37 17-08 51 00
Agentur für Tourismusentwicklung Lettlands Pils laukums 4 LV 1050 Riga Tel.: 0 03 71 7 22 99 45
Estland Rävala Pst 9 EE 0001 Tallin/Estland Tel.: 0 03 72 6 31 39 70/7
Estnisches Fremdenverkehrsamt Roosikrantsi 11 EE 10119 Tallin Tel.: 0 03 72 6 27 97 70
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