Umweltschutz steht beim DMYV ganz oben an

Umweltseminar in Duisburg gab Antworten auf wichtige Themen wie WRRL und Antifoulings sowie Abfallentsorgung an Bord und Fäkaltanks

Ende November des vergangenen Jahres hatte das DMYV-Kompetenzcenter „Raumordnung – Umwelt und Infrastruktur“ die Umweltbeauftragten der Landesverbände nach Duisburg zu einem Umweltseminar eingeladen. Grund war, ihnen Kenntnis über die Bemühungen der Wasser- und Umweltbehörden zu Umsetzungen der EU-Wasserrechts-Rahmenrichtlinie (WRRL) in Verbindung mit anderen EU-Vorschriften über Nutzungen der Wasserstraßen in Deutschland zu geben.
Daneben standen auch Informationen aus erster Hand zur Beseitigung immer noch vorhandener Unsicherheiten bei den Skippern in den Clubs über Antifoulinganstriche an Unterwasserschiffen der Sportboote auf dem Programm.
Nach der Begrüßung der anwesenden Landesumweltbeauftragten durch den Leiter des Kompetenzcenters Hans-Dieter Sudmann und dem DMYV-Präsidenten Winfried Röcker sprach die renommierte Ministerialräten Beate Heinz aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung über Weichenstellungen für die (nationalen) Regelungen zur umweltverträglichen Nutzung der Bundeswasserstraßen und die von Umweltverbänden geforderten Schutzinteressen für weite Gebiete an und auf deutschen Wassersportrevieren. Mit Schaubildern veranschaulichte sie ihr umfangreiches Thema zu Zielobjekten der Europäischen Union hinsichtlich der Vermeidung nachteiliger Veränderungen ökologischer und chemischer Zustände von Oberflächengewässern. Mit ersten Zielsetzungen sollen wieder gute Zustände aller Gewässer erreicht werden. Es gelte, so Frau Heinz, gesetzte Grenzwerte für spezifische Schadstoffe einzuhalten mit dem Ziel, biologische Qualitätskomponenten nur noch geringfügig vom natürlichen Zustand abweichen zu lassen. Mit einer Reihe von Schaubildern über künstliche und erheblich veränderte Wasserkörper zeigte die Ministerialrätin Annäherungen der Gewässer an gute Originalzustände durch wirksame Maßnahmen, die sich unter Berücksichtigung der Einwirkungen künstlicher oder erheblicher veränderter Eigenschaften des Wasserkörpers ergeben. Zum Thema „Schutzgebiete“ nannte sie u.A. Trinkwasserschutzgebiete, Bereiche zum Schutz wirtschaftlich bedeutsamer aquatischer Arten, ausgewiesene Erholungs- und Badegewässer und gefährdete empfindliche Gebiete, sowie aquatische Natura-2000-Gebiete. Nach Aussage von Frau Heinz sind die Gebiete künftig nach Flussgebietseinheiten unterschiedlich nach Länderzuständigkeiten zu bewirtschaften.
Wichtig war die Aussage, dass die WSV wie private Eigentümer (Eigentümerhaftung für wasserwirtschaftliche Unterhaltung) zum Unterhalt, Pflege und Entwicklung der Gewässerbetten und –ufer verpflichtet sind. Nach Erläuterung der „Prager Methode“ (Ansatz für erheblich veränderte oder künstliche Gewässer und zur Bestimmung guten ökologischen Potenzials) räumte die Ministerialrätin das Vorurteil aus, dass gemäß Paragraf 5 (3) Wasserstraßengesetz Einschränkungen für die Sportschifffahrt beim Befahren der Bundeswasserstraßen zu befürchten sind.
Befahrensbeschränkungen in Schutzgebieten sind nur bei begründeten Schutzzwecken möglich. In die Freiheit der Schifffahrt eingreifende Verbote können nicht auf Vermutungen, sondern müssen auf tatsächliche Hintergründe gestützt sein. Nur emotionale Befürchtungen, dass das Befahren von Gewässern umweltschädlich sein könnte, sei keine ausreichende Regelungsgrundlage, stellte Beate Heinz eindeutig klar.
Darüber hinaus führte sie aus, dass die WSD’n zukünftig Einvernehmensbehörden sind, d.h.: die Sicherheit auf den Wasserstraßen ist alleinige Angelegenheit der Direktionen; aber für den Korridor zwischen der Befahrensgrenze der Wasserstraße und der neu anzulegenden sogenannten Parallelgrenze (diese ist nicht identisch mit den Grunderwerbsgrenzen) können die Umweltministerien der Länder im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie und anderen Unterschutzstellungen Auflagen anmelden. Da in diesem Korridor aber die Sportbootanlagen angesiedelt sind, muss der Sport seine Befürchtungen und Wünsche mit den WSD’n abklären. Die Direktionen sind für die Schifffahrt zuständig und da die Sportschifffahrt nach den neuesten Interpretationen einen Teil der Schifffahrt darstellt, ist ein enger Kontakt zwischen DMYV und den WSD’n zwingend erforderlich.
Als Ersatz für den erkrankten Dr. Watermann vom Hamburger Limnomar-Institut sprach der Umweltbeauftragte des LVM NRW, Dr. Stephan Utzelmann, über Unterwasseranstriche unter Berücksichtigung der allgemeinen Umweltverträglichkeit. Er fasste seine Darlegungen in drei Bereiche zusammen: Bewuchs und Anhaftung, Antifouling-Systeme und aquatische Pathologie. Mit ebenfalls einer Reihe von Schaubildern veranschaulichte er die Situation des Bewuchses an Unterwasserschiffen. Er stellte fest, dass Leben im Wasser ist und sich einige dieser Organismen in kürzester Zeit an Oberflächen unter Wasser festsetzen und sie zum „Unterwasserkorallenriff“ umwandeln können, wenn dagegen nichts unternommen wird. Die Frage, wie der Bootseigner dem am besten und umweltverträglich entgegenwirken kann, beantwortete der Referent mit der EU-Wasserrechts-Rahmenrichtlinie (WRRL). Die Europäische Union, so Dr. Utzelmann, habe mit ihrer Biozid-RL die Anzahl der technischen Biozide von ca. 1.000 auf gut 300 reduziert. Für Antifouling-Biozide lägen derzeit 30 Prüfungsanträge vor. 30 bisher verwendete Unterwasseranstriche dürften wegen ihrer Wasserschädlichkeit nicht mehr verwendet werden. Silikone seien gut geeignete Mittel, weil sie Anhaftungen von Organismen an Unterwasserschiffen verhinderten. Geringe Bewegung der Boote in der Saison sind oft Grund für erhöhte Anhaftungen, da im Vorfeld zum Beginn der Bootssaison niemand den Grad seiner Aktivitäten vorher sagen kann. Biozide seien Giftstoffe und daher in diesem Fall nicht verwendbar. Das derzeit in den Medien oft genannte „Irgarol“ hemmt die Photosynthese und damit den Algenbewuchs. Aufmerksam machte Utzelmann freilich darauf, dass Kupfer, Triazide, Methylharnstoffe und Isothiazolinnome wasserschädliche Stoffe sind. Hier ergänzte Herr Sudmann, dass das Problem Irgarol in Nordrhein-Westfalen zurzeit auch im Umweltministerium heftig diskutiert wird. Bei Messungen in Häfen und an Wasserwanderrastplätzen in den Jahren 2007 und 2008 (Ergebnis 2009 liegt noch nicht vor) wurden vom Landesumweltamt Überschreitungen des vorgesehenen Grenzwertes vom 5-fachen bis zum 550-fachen ermittelt.
Als Alternative gelten nach Dr. Uzelmann Antifoulings nach dem Vorbild der Natur, wie beispielsweise die Haihaut, die bekanntermaßen nicht von Parasiten befallen wird. In seinem Ausblick auf künftige Entwicklungen sieht der NRW-Umweltbeauftragte derzeit kein in jeder Hinsicht unbedenkliches Antifoulingsystem. Wichtig zu beachten seien Kompromisse bei erlaubten Unterwasseranstrichen, die zwar nicht ganz frei von Giftstoffen seien, aber in ihrer toxischen Wirkung bestimmte Grenzen nicht überschreiten.
Herr Peter Haag (BW) berichtete von seinem dreijährigen Eigenversuch mit Abschattungen seines Bootsrumpfes nach Rückkehr von Fahrten und Festmachen am Steg. Er nimmt den Organismen mit Abdeckfolien Licht, womit diese sich nicht am Bootsrumpf festsetzen. Mit dem Hinweis, vor Anbringen von Antifoulings auf das Unterwasserschiff unbedingt auf die Zusammensetzung des GfK (darin vorhandene Weichmacher) zu achten, rundete Dr. Utzelmann seine umfangreichen Darlegungen über erlaubte und unerlaubte Antifoulinganstriche ab.
Herr Haendel ergänzte den Bericht zu den Antifoulingfarben mit einer umfangreichen Darstellung der angesprochenen Probleme aus europäischer Sicht. Die EBA versucht, eine einheitliche Vorgabe für die Mitgliedstaaten in Europa zu verwirklichen. Er erklärte ausführlich die unterschiedlichsten Standpunkte und derzeitigen Gesetzesvorgaben. Die Vorstellungen reichen von schwächerem Antifouling über Antifouling ohne chemische Verbindungen bis hin zum stärkeren Antifouling, das auf einem beherrschbaren Giftstoff beruht.
Aus gegebenem Anlass erläuterte Herr Sudmann abschließend die besondere Situation der Abfallentsorgung an Bord sowie die Anlage von Fäkaltanks.
Aufgrund der Anlage 5, Regel 9, Absatz 1 des MARPOL – Übereinkommens müssen auf jedem Schiff von 12 oder mehr Metern Gesamtlänge Aushänge zur Unterrichtung der Besatzungsmitglieder und Fahrgäste über die anzuwendenden Vorschriften der Beseitigung von Müll angebracht sein. Diese Verordnung gilt auch für die Sportschifffahrt und sollte in Zukunft dringend beachtet werden. Es handelt sich hier um bereits seit längerer Zeit geltendes Recht und bei einem Gespräch im Verkehrsministerium wurden die Verhandlungspartner darüber unterrichtet, dass diese Vorgaben seit der Saison 2008 von der Wasserschutzpolizei intensiver kontrolliert werden.

Da diese Vorschrift sehr umfangreich ist und zweisprachig aushängen muss, wurde in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung eine Zusammenfassung der entscheidenden Aussagen erstellt.

Mit Rücksicht auf die von den Wassersportverbänden erarbeiteten “10 Goldenen Regeln“, wonach grundsätzlich kein Abfall ins Wasser entsorgt werden darf, sondern immer in bereitstehende Abfallbehälter gehört, ist im Zuständigkeitsbereich der Bundesrepublik Deutschland auf der Ostsee der Aufkleber des DMYV ausreichend. Im weiterreichenden Seegebiet ist die o.g. Kurzfassung über die Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe - hier Abfallbeseitigung an Bord – dringend erforderlich.

Aufkleber und Kurzfassung sind beim Deutschen Motoryachtverband zu beziehen.

Bei dem Problem der Anlage von Fäkaltanks verwies Herr Sudmann auf den überarbeiteten Flyer „ Wo gilt was „
Was für Boote mit WC (Wasserspülung, nicht Chemietoilette) gilt, hängt ab vom jeweiligen Revier:

in Deutschland
- Bundeswasserstraßen binnen,
- für schiffbar erklärte Landesgewässer
- Ostsee und Nordsee

in den Niederlanden
- Binnen- und Küstengewässer


Das Seminar endete mit einem Dank des DMYV-Präsidenten Winfried Röcker an die Referenten und die Mitglieder des Kompetenzcenters für die geleistete Arbeit und dem Appell, Umweltschutzbemühungen vom DMYV in enger Zusammenarbeit mit allen Landesverbänden zukunftsorientiert zu gestalten. –ph-

 

 

 

Weitere Informationen

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Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

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