Stellungnahme des Referates Führerscheinwesen/Ausbildungsstätten zur Reform der Sportbootführerscheine

Bereits im Jahre 2007 legte die Bundesregierung einen 13-Punkte-Katalog zur Stärkung der Attraktivität des Wassertourismus und des Wassersports vor. Dieser enthielt u.a. auch die Forderung, die Zulassungskriterien und Prüfungsinhalte für den Erwerb der Sportboot-Führerscheine zu überprüfen und auf das Multiple-Choice-Verfahren (MC) umzustellen. Dem ging im Jahre 2006 die Sicherheitskonferenz, die u.a. auf die Anzahl der tödlichen Unfälle im Seebereich reflektierte, voraus.

Initiiert durch das BMVBS (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) wurde im Frühjahr 2009 eine Arbeitsgruppe (mit den UAG See und Binnen) berufen, um die Fragenkataloge See und Binnen kritisch zu überprüfen und auf das MC-System umzustellen. Diese Arbeitsgruppen bestanden aus Vertretern der dem BMVBS unmittelbar nachgeordneten Wasser- und Schifffahrtsdirektionen (WSD’n) sowie der Verbände DMYV und DSV.

Die beiden Fragenkataloge „See“ und „Binnen“ wurden nach detaillierter fachlicher Evaluierung auf je 300 Fragen reduziert und auf Multiple-Choice umgestellt. Gleichzeitig wurden die Kriterien für die Praxisprüfung im Sinne der Führerscheinbewerber überarbeitet und der Anforderungslage angepasst. Für einen Bewerber für den SBF See, der bereits im Besitz des SBF Binnen ist, wurden z.B. Erleichterungen vorgeschlagen.

Das bisherige System der Trennung der amtlich vorgeschriebenen SBF in „See“ und „Binnen“ sowie den darauf aufbauenden weiterführenden (freiwilligen) Scheinen (Sportküsten-, Sportsee- und Sporthochseeschifferschein im Seebereich bzw. dem Sportschifferzeugnis und dem Sportpatent im Binnenbereich), ist de jure und de facto modular gestaltet.

Auf der im Mai in Bonn stattgefundenen Anhörungsveranstaltung war dies dem ADAC, dem VDC, dem BVWW und dem KYCD nicht genug. Diese fordern nun einen weitergehenden Ausbau des modularen Führerscheinsystems, bestehend aus einer Basisprüfung und den Zusatzmodulen Binnen/Motor, Binnen/Segeln und See. Argumentiert wurde auch , dass einmal abgefragtes Basiswissen nicht erneut abgefragt werden soll.

Eine weitere Zusammenführung der amtlichen SBF See und Binnen wäre aus Sicht des DMYV/DSV allerdings weder praxisgerecht noch kundenorientiert.

So müsste der Bewerber – unabhängig davon, ob er den Bootssport nur im See oder Binnenbereich ausüben möchte – die unterschiedlichen Verkehrsvorschriften für beide Fahrtbereiche erlernen und anwenden können. Auf die unterschiedlichen Umweltbedingungen im See- und Binnenbereich sowie auf die Anforderungslage im Fachgebiet „Navigation“, die im Binnenbereich nicht relevant ist, muss nicht näher eingegangen werden.

Nach Prüfung der vom ADAC,VDC, BVWW und KYCD durchgeführten „Analyse“ und dem darauf fußenden Konzept erscheint selbiges im Hinblick auf den erreichten Sicherheitsstandard aus folgenden Gründen wenig zielführend zu sein:

1. Eine detaillierte Überprüfung der o.g. Analyse auf Grundlage der bestehenden Verkehrsregime hat ergeben, dass tatsächlich lediglich ca. 9 % der Fragen aus den beiden Fragenkatalogen identisch oder ähnlich sind. Dies wurde auch von der AG so gesehen und im Rahmen der vorgenannten Anhörung im BMVBS bereits dargestellt.
Eine „Basisprüfung“ mit nur ca. 9 % Fragenidentität erübrigt sich aus methodisch/didaktischen und praktischen Gründen.

2. Im See- und Binnenbereich bewegen wir uns in zwei verschiedenen Verkehrskreisen. Vermeintlich gleiche oder ähnliche Fragen, z.B. aus dem Bereich der Schifffahrtszeichen, haben im Detail durchaus unterschiedliche Bedeutungen bzw. erzeugen unterschiedliche Handlungspflichten. Bei den Verkehrsregimen im See- und Binnenbereich (SeeSchStrO/KVR bzw. RheinSchPolV/BinSchStrO) gibt es z.T. diametral voneinander abweichende Regelungen (siehe Vorfahrtsregeln im Fahrwasser bzw. im Verkehrstrennungsgebiet, Bezeichnung der Fahrwasser etc.). Die würde bei einer so genannten Basisprüfung nach unserer Erfahrung eher mehr zur Verwirrung denn zur Erleichterung beim Bewerber führen. Dies umso mehr, wenn im Rahmen des Mutiple-Choice-Verfahren auf notwendiges Detailwissen abgehoben wird.

3. Das bestehende System zudem mit dem Argument in Frage zu stellen, im Bereich der amtlichen SBF sowie in den „weiterführenden Scheinen“ würde bereits abgefragtes Wissen erneut abgefragt (und damit der Bewerber unnötigt belastet), trifft nicht zu.

Richtig ist vielmehr, dass bei weiterführender Qualifikation in bestimmtem Umfang – analog der FS im Kfz-Bereich – ein bestimmtes Basiswissen vorausgesetzt wird. Dies ist auch notwendig, um bestimmte Aufgabenstellungen plausibel darzustellen, damit das „Zusatzwissen“ überhaupt abgeprüft werden kann.
Modulare Ausbildungs- und Prüfungssysteme im Bereich der beruflichen Aus- und Fortbildung sind daher auch nicht anders strukturiert.

Bei unseren regelmäßigen Zusammenkünften mit anerkannten Ausbildungsstätten wird uns immer wieder bestätigt, dass es sinnvoll ist, z.B. bei Inhabern eines SBF See, die sich für weitergehende Scheine interessieren, im Bereich der Ausweichregeln, Kenntnisse der Sichtzeichen, der Betonnung etc. Wiederholungsschulungen durchzuführen, damit die Sachzusammenhänge bei der Prüfung vorhanden sind.

Führerscheine auszustellen, ohne das erforderliche Wissen abzuprüfen, halten wir – insbesondere unter Hinweis auf die der Schifffahrt innewohnenden Gefahren, die mit den (täglichen) Erfahrungen im Straßenverkehr nicht vergleichbar sind - für fahrlässig. Das bestehende Ausbildungs- und Prüfungssystem hat in den vergangenen Jahren wesentlich zur Sicherheit auf dem Wasser beigetragen und sollte beibehalten werden.

Soweit das bestehende System einer Aufgabenkritik zu unterziehen war, ist dies unter Berücksichtigung der fachlichen und rechtlichen Zusammenhänge durch die AG erfolgt. Die im Rahmen des Reformprozesses geforderten Eckpunkte wie z.B.:

- Umstellung des Systems auf MC
- Entschlackung der theoretischen Prüfung
- Stärkung der praktischen Prüfung

wurden umfänglich berücksichtigt.

Neben den fachlichen Erfordernissen zur Gewährleistung der Sicherheit auf dem Wasser (schließlich wird ein und derselbe Verkehrsraum kommerziell und wassersportlich genutzt) wurde insbesondere auf eine kundenorientierte Ausrichtung Wert gelegt.

Insbesondere liegt eine Absenkung des z.Z. hohen Standards nicht im Interesse aller Beteiligten in der Schifffahrt!

Heinz Fr. Adorf
Referatsleiter Führerscheinwesen/Ausbildungsstätten im DMYV

 

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