Riesige Leipziger Seenplatte entsteht in Rekordtempo

220 km² Wald- und Seenverbund vom Leipziger Stadtgebiet bis an die Grenze zu Thüringen - geplanter Anschluss an Bundeswasserstraßennetz

Beharrliche Argumentationen des DMYV bewirken allmählichen Sinneswandel bezüglich Motorbootnutzung

 

Bereits seit den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden südlich von Leipzig reiche Braunkohlevorkommen im Tagebauverfahren abgebaut. Besonders intensiv – um nicht zu sagen exzessiv - und mit der weltweit modernsten Fördertechnik geschah dies dann zu Zeiten der DDR, was mit einer großflächigen Verwüstung der Landschaft verbunden war. Mangels anderer Rohstoffvorkommen zur Energiegewinnung gab es dazu keine Alternative. Diese Landschaftszerstörung war jedoch von Anfang an mit der Perspektive einer gigantischen Seenkette verbunden. Dass diese nun einige Jahre früher kommt, liegt unter anderem an dem Zusammenbruch des RGW und der für den DDR-Export wichtigen Ostmärkte 1990, infolge dessen weniger Kohle für die entsprechenden Industriezweige - vor allem Energie, Stahl und Chemie - benötigt wurde und daher viele Abbaugebiete vorzeitig eingestellt wurden.

Der Wald- und Seenverbund beginnt mit dem bereits im Jahre 2000 als EXPO-Projekt fertiggestellten Cospudener See, der sich zur Hälfte noch auf Leipziger Stadtgebiet befindet, und dehnt sich auf einer Fläche von 220 km² in südliche Richtung aus. Die reine Wasserfläche des Seenverbundes in diesem Südraum Leipzig beträgt ca. 40 km² - das entspricht knapp der 3fachen Größe des Scharmützelsees -dem größten See des wasserreichsten Bundeslandes Brandenburg- oder der 4½fachen Fläche des Tegernsees. Von 5 großen Seen, die über ein System aus natürlichen Fließgewässern und Kanälen miteinander verbunden werden, sind 3 bereits fertig geflutet. Weitere Seen folgen bis 2011 bzw. 2013/14 - nochmals bis zu 5 Jahre früher, als noch 1993 errechnet.
Des weiteren ist vorgesehen, die Stadt Leipzig und die Seen über den bisher unvollendeten Elster-Saale-Kanal an die Saale und das überregionale Wasserstraßennetz anzubinden. Bereits vor 100 Jahren entwickelte der Leipziger Industrielle Karl Heine diese Vision und begann mit den Bauarbeiten. Die Nationalsozialisten griffen das Projekt wieder auf, bevor es 1943 aufgrund des Krieges erneut zum Erliegen kam. Da die Bundeswasserstraßenverwaltung keine Mittel für den Bau der fehlenden 11 km bis zur Saale incl. erforderliche Schleusenbauten zur Verfügung hat, haben Leipzig und die Länder nach anderen Lösungen gesucht. Vor Kurzem erklärten Vertreter der Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt und der betroffenen Kreise am 22. 09. 2008 auf der Auftaktveranstaltung Schlüsselprojekt "Wassertouristisches Nutzungskonzept" in Leipzig, an der auch DMYV-Vizepräsident Hans-Dieter Sudmann teilnahm, zu versuchen, den Ausbau mit Landesmitteln und ggf. Fördermitteln umzusetzen. Von Herrn Sudmann wurde noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die angesprochene Verbindung für eine wassertouristische Erschließung des Raumes Leipzig von entscheidender Bedeutung ist.

Seit über 10 Jahren hat sich der DMYV immer wieder in die Diskussionen um die wassersportliche Nutzung der Leipziger Seenplatte eingeschaltet. In Gesprächen mit Bürgermeistern der Anliegerkommunen zeigten diese anfangs zwar große Zustimmung zu allen erdenklichen Arten der Wassersports - mit Ausnahme  des motorisierten Wassersports. Den vom DMYV vorgelegten wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen, welche die Unbedenklichkeit von Verbrennungsmotoren in Bezug auf die Umwelt nachweisen, konnten die Lokalpolitiker nichts entgegensetzen. Dennoch blieb man lange Zeit bei der Verweigerungshaltung. Es wurde von den Kommunen sogar ein spezielles "LeipzigBoot" mit Gasgenerator-Elektroantrieb in Auftrag gegeben.
1998 verhinderte der DMYV, dass in einem von mehreren Sanierungsrahmenplänen (übergeordnete Landesplanung) der Ausschluss von Verbrennungsmotoren festgeschrieben wurde, wobei die Streichung dieses Passus nicht aufgrund sachlicher Argumente sondern aufgrund eines Formfehlers erfolgte. Damit wurde nicht mehr und nicht weniger als die Unumkehrbarkeit eines solchen Verbotes erreicht. Ungeachtet dessen können über kommunale Verordnungen Verbote erlassen werden. Ein erster zaghafter Sinneswandel deutete sich im Juli 2005 an, als 2 Bürgermeister öffentlich erklärten, man sollte doch über eine Lockerung des Motorbootverbotes nachdenken.
                           
Dies veranlasste den DMYV dazu, ein weiteres Rundschreiben an die Anliegerkommunen des Südraumes Leipzig einschließlich der Stadt Leipzig und an den Regionalen Planungsverband Westsachsen zu richten, in welchem nochmals ausführliche Umweltfakten zum Motorboot erläutert wurden. Gleichzeitig machte der DMYV zum wiederholten Male deutlich, dass es absurd ist, mit einem hohen finanziellen Aufwand künstliche Verbindungen zwischen den Seen zu schaffen, die dann von der Mehrzahl der Boote gar nicht genutzt werden können. Denn auch Segelboote können und dürfen bei Kanalfahrt nur mit Maschinenkraft - also als Motorboot fahren. Und auch bei allen anderen Gelegenheiten, bei denen der Motor eingesetzt wird, sind sie Motorboote. So sind die am Cospudener See zugelassenen Segelboote auch mit konventionellen Außenbordmotoren ausgestattet.

Mitte Oktober 2008 folgte dann ein Paukenschlag als vorläufiger Höhepunkt der Auseinandersetzungen um die Seenplatte. Die Leipziger Volkszeitung schrieb: "Studie: Motorboote für neue Seen zumutbar". Was war geschehen? Von kommunaler Seite wurde eine Studie in Auftrag gegeben, welche zu dem Ergebnis kam, dass ein umweltverträglicher Einsatz von Motorbooten "durchaus" möglich sei. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Fahrgastschiffe nur mit Diesel, private Boote nur mit 4-Takt-Motoren mit aktuellen EU-Normen und gewerbliche Charterboote nur mit alternativen Antrieben - wie beim LeipzigBoot umgesetzt - betrieben werden. Nur dann seien die Umweltqualitätsziele erreichbar. Insbesondere da Charterboote mehr Betriebsstunden leisten, verursachten sie "mehr Verunreinigungen" und dürften daher nur mit alternativen Antrieben betrieben werden.
Zwar sind diese Aussagen genauso falsch und aus der Luft gegriffen, wie die bisherige Positionierung; sie stellt aber gleichwohl einen gewaltigen Schritt nach vorn dar - vom Totalverbot hin zu einer strengeren Bodenseeregelung. Da es erwiesen ist, dass Einträge von Bootsmotoren gleich welcher Art in das Wasser nicht messbar sind, darf man gespannt sein, welche Untersuchungsmethoden in der Studie beschrieben werden. Bisher ist es dem DMYV noch nicht gelungen, ein Exemplar zu erhalten. Teilweise wurde die Auskunft erteilt, die Studie sei noch gar nicht abgeschlossen und es wurden nur einige Vorab-Ergebnisse zitiert. Der DMYV bleibt jedenfalls weiter am Ball und wird sich dafür einsetzen, dass Skipper auch aus anderen Regionen - sei es per Trailer oder nach Ausbau über den Wasserweg - in hoffentlich naher Zukunft die Leipziger Seenplatte bereisen können. Es böte sich dann die Gelegenheit, Boots- und Städteurlaub zu verbinden. Die pulsierende Messemetropole bietet mit ihrer Kultur- und Unterhaltungsszene (Stichworte Oper, Gewandhausorchester, Cabaret, Krystallpalast Varieté, modernste Kinos) sowie ihrem unglaublich vielfältigen gastronomischen  und Shopping-Angebot ein interessantes und erlebnisreiches Kontrastprogramm zum Naturerlebnis auf der Seenplatte.

Das zuständige Kompetenzcenter des Deutschen Motoryachtverbandes versucht zur Zeit in Verbindung mit dem Sächsischen Motor-Wassersport-Verband e.V. auch für die Seenplatte in der Lausitz in Zusammenarbeit mit Behörden und Verbänden eine für den motorisierten Wassersport akzeptable Lösung zu erarbeiten.
Mu.

 

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Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

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