Offener Brief des DMYV-Präsidenten Winfried Röcker an die Bundestagsabgeordneten Torsten Staffeldt und Hans-Werner Kammer

Reform des Sportbootführerscheins
Hier: Entbürokratisierung der Sportschifffahrt


Sehr geehrte Herren,

ich nehme Bezug auf Ihre Anhörung von Montag, dem 22. August 2011 in Bremen. Zur Diskussion steht eine Führerscheinfreiheit bis 15m Bootslänge und
20 km/h Höchstgeschwindigkeit. Ich möchte hierzu einige Anmerkungen machen:

Mit dem Aufleben der Sportschifffahrt nach dem Krieg, zu einer Zeit, als der Verkehr auf den Bundeswasserstraßen noch nicht so dicht war, hat der Deutsche Motoryachtverband e.V. aus Sorge um die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs und zur Pflege einer guten Seemannschaft ein freiwilliges Führerscheinsystem ins Leben gerufen. Die Vereine bildeten aus und mehrere Prüfungskommissionen erteilten nach Prüfung den Führerschein. Danach wurde vom Staat der freiwillige Schein anerkannt und ein staatliches Dokument eingeführt. Die beiden Verbände DMYV und DSV wurden beliehen und erteilten mit ihren Prüfungskommissionen den amtlichen Schein. Seit 1962 bis 2010 wurden 769.943 Binnenführerscheine erteilt. Im gleichen Zeitraum 1.190.800 Sportbootführerscheine-See. Dies sind knapp 2 Millionen Sportbootführerscheine. (Nicht mitgerechnet sind hier die Führerscheine, die für den Bodensee erforderlich sind.) Von den 2 Mill. sind ca. 40% aufs Wasser ge
gangen, das heißt, sie haben sich ein Boot zugelegt. Ca. 60% haben den Schein nur gemacht, um ihn für eine mögliche Charterung zu besitzen. Würden diese 60% den Schein vorsorglich machen, wenn sie den Einstieg in den Wassersport als zu schwer empfunden hätten?!

Das Führerscheinsystem hat sich über 30 Jahre bewährt. Dies zeigen die Unfallstatistiken. Sie schauen gern in die westlichen Nachbarstaaten. Polen hat das Führerscheinsystem nach Deutschem Vorbild, aber mit noch höheren Anforderungen, eingeführt.

Ich verstehe, dass einige Verbände aus wirtschaftlichem Interesse und zur Ausbreitung des Chartergeschäfts auf alle Bundeswasserstraßen, hier zu Lasten der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs, politischen Druck auf Sie ausgeübt haben. Dass der ADAC hier mit im Boot ist, vermag ich nicht zu glauben. Ist er doch im Straßenverkehr der Vorreiter für die Sicherheit.

Der Deutsche Motoryachtverband e.V. betreut 250 anerkannte Ausbildungsstätten. Davon sind ca. 170 Ausbildungsstätten gewerblich geführt. Allein hier würden bei Einführung Ihres Modells viele in die Erwerbslosigkeit wegbrechen.

Bei spektakulären Vorkommnissen, Unfällen oder Straftaten, erschallt sofort der Ruf von Politikern, die Gesetze zu verschärfen. Hier streben Sie eine gegenteilige Strategie an. Wie wollen Sie die zu erwartende Unfallhäufung demnächst persönlich und politisch verantworten? Bitte beteiligen Sie bei Ihrem Vorhaben in der Anhörung auch die Binnenschiffsberufsverbände.

Mit dem neuen Führerscheinprüfsystem, auf das sich alle Verbände nach jahrelanger Diskussion und Arbeit geeinigt haben, ist eine erhebliche Erleichterung in den Einstieg zum Wassersport erfolgt. Ein Vorhaben in Ihrem Sinne erachte ich als gefährlich.

Auch wir sind für weitere Erleichterungen:
Für die Prüfung zur Erlangung des Sportbootführerscheins schlagen wir weiterhin zugunsten des Prüflings vor, dass eine mündliche Prüfung eingeführt wird. Weiterhin die Erweiterung des Binnenführerscheins von 15m auf 20m Bootslänge.

Abschließend lade ich Sie ein zu einer Fahrt mit einem 12m Motorboot auf dem Rhein oder Elbe mit Tag- und Nachtfahrt. Sie werden wie beim Charterschein eingewiesen und fahren selbstständig das Schiff. Allerdings haben Sie im Gegensatz zu einem Neueinsteiger ohne Führerschein einen erfahrenen Skipper an Bord.

Ich freue mich auf Ihre Terminabsprache.

Mit freundlichen Grüßen


Winfried Röcker

Präsident

 

 

 

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Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

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