Irgarol künftig verboten – was nun?

Das Umweltbundesamt (UBA) informierte im April 2016 in einer Pressemitteilung die Öffentlichkeit über ein EU-Verbot von Irgarol ab dem 31. Januar 2017.

(Zitat): „EU-Kommission lehnt erneute Genehmigung von Antifouling-Wirkstoff ab. Erfolg für den Umweltschutz: Ab Januar 2017 darf Cybutryn nicht mehr auf Schiffsrümpfen verwendet werden. Cybutryn, besser bekannt unter dem Handelsnamen Irgarol, ist ab dem 31. Januar nicht mehr als Wirkstoff in Antifouling-Produkten zulässig. Dies hat die EU-Kommission bereits am 27. Januar dieses Jahres beschlossen. Antifouling-Wirkstoffe sollen Aufwuchs (Fouling) durch Einzeller. Algen und kleine Triere – wie Seepocken oder Muscheln – auf Schiffsrümpfen verhindern, indem sich die Wirkstoffe langsam aus der Farbe lösen und ins umliegende Wasser gelangen.  Dort schaden sie auch den lokalen Ökosystemen, zu denen Wasserpflanzen, Ruderfußkrebse und Algen gehören. Wenn im Frühjahr frisch gestrichene Bootskörper zu Wasser gelassen werden, gelangen auf diesem Weg besonders viele Biozide in die Gewässer. Das Umweltbundesamt (UBA) hat mit seiner kontinuierlichen fachlichen Begleitung maßgeblich zur Bewertung des Stoffes beigetragen und bereits im September 2007 vor der Anwendung des Stoffes gewarnt. Mit Cybutryn wird zum ersten Mal ein Wirkstoff der Produktart Antifouling aufgrund von unannehmbaren Umweltrisiken nicht genehmigt. Was müssen Bootsbesitzer und –Käufer jetzt beachten? Restmengen von Antifouling-Produkten mit Cybutryn müssen vor dem Stichtag – 31. Januar 2017 – entsorgt werden. Das UBA rät zur Abgabe bei Problemsammelstellen wie zum Beispiel Recyclinghöfen. Ob ein Antifouling-Produkt Cybutryn enthält kann auf der Webseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) recherchiert werden. Beim Bootskauf sollte nach der Antifouling-Beschichtung gefragt werden: Ab dem 02. März 2017 dürfen keine neuen Boote mehr verkauft werden, die mit Cybutryn beschichtet sind.

Für Boote, die vor diesem Termin gekauft wurden, gelten dagegen keine Beschränkungen. Wer ein bereits behandeltes Boot besitzt, kann auch weiterhin – mit einigen nationalen Einschränkungen - europäische Gewässer befahren. Bootsbesitzer sollten generell so weit möglich auf biozidhaltige Antifouling-Anstriche verzichten, um die Ökosysteme in den Gewässern möglichst wenig zu belasten. Insbesondere in Seen und Flüssen können Bootsrümpfe auch ohne Antifouling-Wirkstoffe in gutem Zustand bleiben. Mittlerweile gibt es mehrere wirksame Antifouling-Beschichtungen auf dem Markt, die ohne Biozide auskommen.“ 

2. Folgerungen für die Bootsfahrer aus dem künftigen Irgarol-Verbot.

Nach dem weltweiten Verbot von TBT im Jahr 2008 wurden vom Handel unter anderem irgarolhaltige Ersatzanstrichstoffe als Antifouling-Farbe angeboten und von den Skippern im großen Umfang zur Beschichtung ihrer Boote genutzt. Es ist daher zu erwarten, dass bei Händlern und Bootsbesitzern heute noch große Bestände irgarolhaltiger Bootsfarben vorhanden sind. Der umweltbewusste Skipper fragt sich natürlich jetzt: was nun? Das Referat Raumordnung, Umwelt und Infrastruktur des DMYV hat diese Frage am 11. Mai 2016 mit dem Umweltbundesamt (UBA) an dessen Dienstsitz Dessau-Roßlau diskutiert und dabei folgende Antworten erhalten:

• Aus der Pressemitteilung des UBA geht hervor, dass ein Skipper seine eventuellen Restbestände bis zum Stichtag legal auf den Bootsrumpf auftragen darf. Es ist sogar noch möglich im Sommer oder Herbst 2016 beim Handel solche Mittel zu erwerben und bis Januar 2017 zu verwenden. Nach dem Stichtag dürfen vorhandene irgarolhaltige Anstriche auf dem Bootsrumpf verbleiben bis sie sich von selbst abgetragen haben. 

• Irgarol ist unbestreitbar ein besonders langlebiges Umweltgift und daher sollte sich der umweltbewusste Skipper in Hinblick auf das bevorstehende Verbot nach Prüfung seiner persönlichen Situation kritisch fragen: 

• Muss ich wirklich einen biozidhaltigen Farbanstrich auftragen, weil meine diesjährige Tour durch Süß- und Salzwassergebiete führt, oder kann ich gänzlich auf Biozide verzichten? 

• Muss ich die Restbestände an irgarolhaltigen Farben wirklich aufbrauchen, oder gibt es für mich bereits umweltverträglichere Alternativen? Das UBA empfiehlt hierzu ab sofort auf irgarolhaltige Produkte gänzlich zu verzichten und stattdessen auf alternative, möglichst biozidfreie Produkte auszuweichen.   

• Für die Entfernung alter irgarolhaltiger Beschichtungen von Bootskörper ist folgendes zu beachten: 

• Die EU-Zulassung von biozidhaltigen Produkten ist mit Anwendungsbestimmungen zur Risikoverminderung für Gesundheit und Umwelt verbunden. Nach heutigem Kenntnisstand wird auf Sicherheitsdatenblättern für alle künftig zugelassenen biozidhaltigen Antifoulingprodukten gefordert, dass Arbeiten nur in einem (vor Wind) abgeschlossenen Bereich auszuführen sind, um Verdriftung zu vermeiden. Zusätzlich muss der Boden entweder mit einem undurchlässigen Material abgedeckt werden oder die Arbeiten über einer versiegelten Fläche, z.B. auf einem geeigneten Waschplatz, durchgeführt werden. Beide Maßnahmen sollen verhindern, dass Biozide unkontrolliert in die Umwelt gelangen können.

Das bedeutet, dass Reparatur- und Wartungsarbeiten an Biozidbeschichteten Bootsrümpfen künftig nur noch in Bootshäfen mit entsprechend ausgestatteten Arbeitsplätzen einschließlich Vorrichtungen zum Auffangen und ordnungsgemäßen Entsorgen der Schadstoffe zulässig sind. Dies gilt umso mehr für die Entfernung der alten Umweltgifte wie z.B. irgarolhaltigen Farben und mögliche Einzelfälle längst verbotener TBTAnstriche.

• Der DMYV erhielt den deutlichen Hinweis, dass in künftigen Sicherheitsdatenblättern für neue Biozide Skipper nur dann die Erlaubnis zur Be- und Entschichtung ihrer Bootsrümpfe erhalten, wenn die Arbeiten umweltgerecht auf entsprechend ausgestatteten Waschplätzen ausgeführt werden. Ist dies nicht gewährleistet, müssen solche Arbeiten in hierfür zertifizierten Bootswerften ausgeführt werden.

Das Referat Raumordnung, Umwelt und Infrastruktur des DMYV erhielt vom UBA das Angebot an dem Prozess zur Erstellung einer guten fachlichen Praxis zur Anwendung von Antifouling-Beschichtungen mitzuwirken. Mit einer umweltrechtgerechten Ausstattung der Clubhäfen und Verhalten der Mitglieder haben es die Wassersportler damit auch selbst in der Hand, dass das schwierige Problem der Fouling-Bekämpfung in neuen Vorschriften angemessen geregelt wird.

 

 

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