Fouling-Bekämpfung zur Vermeidung der Verfrachtung einwandernder fremder Wasserorganismen

Neue IMO-Richtlinie für die Freizeitschifffahrt als weiterer Aspekt in der anhaltenden Antifouling-Diskussion


Die Freizeitschifffahrt ist seit einiger Zeit verunsichert bei der Verwendung von Antifouling-Mitteln zur Bekämpfung des Bewuchses auf der Unterwasserschiffshaut. Nach dem weltweiten Verbot von organo-zinnhaltigen Biozidanstrichen sind im benachbarten europäischen Ausland zwischenzeitlich auch andere biozidhaltige organische Ersatzstoffe (z.B. Irgorol und Dioron) verboten. Teilweise ist sogar ist die Anwendung von kupferhaltigen anorganischen Stoffen beschränkt. Auch wenn in Deutschland außer organo-zinn Produkten heute noch keine weiteren Verkaufs- und Anwendungsverbote bestehen, so ist dennoch damit zu rechnen, dass nach Umsetzung der EU-Chemikalienrichtlinie und der zugehörigen sogenannten Positivliste in nationales Recht, wahrscheinlich im nächsten oder übernächsten Jahr, auch hier im Inland erhebliche Beschränkungen in der Verwendung von Bioziden bestehen werden.


Die alternative biozidfreie Antifouling-Bekämpfung, z.B. durch Unterwasserreinigung in Schiffswaschanlagen befindet sich immer noch im Stadium öffentlich geförderter Pilotprojekte. Erste Ergebnisse zeigen, dass diese Verfahren nur unter bestimmten Randbedingungen wie Fahrtgebiet und Schiffsform erfolgreich sein werden und zudem zur Vermeidung von harten Fouling-Belägen häufig angewendet werden muss.


Bei dieser Sachlage betrachtet der vom Fouling betroffene Skipper vor allem dessen Nachteile für sein Navigieren und wägt sein Handeln umweltbewusst insoweit ab, dass die Gewässer möglichst wenig mit Bioziden aus der sich langsam abbauenden Antifouling-Beschichtung belastet werden.


Die Internationale Maritime Organisation (IMO) behandelt das Fouling-Problem mit einem anderen Ansatz, wenn sie versucht die Verfrachtung von einwandernden fremden Wasserorganismen von einem Gewässer in ein anderes zu vermindern. Das Umweltproblem der globalen Verbreitung von Organismen in Lebensräume, wo sie nicht hingehören und das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören, wird erst jetzt in der breiten Öffentlichkeit intensiver diskutiert. Da die internationale Schifffahrt ein wesentlicher Verbreitungspfad für fremde Organismen darstellt, musste sich die IMO dieser Problematik stellen. Schiffe können fremde Organismen vor allem auf folgende Weise verbreiten:

  • Larven im Ballastwasser, das oft über weite Strecken in fremde Kontinente transportiert und im Zielhafen abgepumpt wird,
  • Organismen in der Schiffsladung,
  • Verfrachtung eines an der Schiffshaut anhaftenden lebenden Fouling-Belages in ein anderes Gewässer, wo die Fouling-Organismen ihre Sporen oder Larven freisetzen können.


Der 3. Punkt betrifft auch die Freizeitschifffahrt mit der Konsequenz, dass eine Bekämpfung des Fouling unabhängig von der heute bestehenden Problematik hinsichtlich künftig zulässiger Methoden und Mittel zur Verminderung der Verfrachtung einwandernder fremder Wasserorganismen in jedem Falle geboten ist.

Die IMO hat nun die Richtlinie MEPC.207(62) ausgearbeitet und am 26.10.2011 beschlossen, nach der die Verminderung der Verfrachtung einwandernder fremder Wasserorganismen bei Schiffen aller Größen erreicht werden soll. Diese Richtlinie gilt demnach grundsätzlich auch für die Freizeitschifffahrt. Da diese IMO- Richtline demnächst in Kraft tritt, sollen die Skipper darüber informiert werden, was zusätzlich zu den Biozidbeschränkungen künftig von der IMO zu erwarten ist.

Die Richtlinie MEPC.207(62) fordert von der Schifffahrt wegen der gravierenden Verfrachtungsproblematik zahlreiche Maßnahmen und deren Dokumentation in Kontrollbüchern. ISAF und EBA haben im Rahmen ihrer Beteiligung bei der Erarbeitung der Richtlinie erreicht, dass die Freizeitschifffahrt in einem zugehörigen Anhang eine nur sie betreffenden Empfehlung erhält, die ausdrücklich in einer verständlichen Form formuliert worden ist. Die Empfehlung folgt dem Prinzip: Ansporn und Unterweisung ist besser als Gesetzgebung.

Die Empfehlung ist daher keine bindende Regel und Verstöße werden nicht direkt geahndet. Es ist aber ausdrücklicher Wille der IMO, dass ihre Anstrengungen zur Verminderung der Verfrachtung einwandernder fremder Wasserorganismen Schiffe aller Größen betreffen und dies nur erreicht wird, wenn die Empfehlung von allen Freizeitschiffen grundsätzlich befolgt wird. Ein Verstoß gegen die Empfehlung ist daher zumindest eine Verletzung der Regeln der guten Seemannschaft. Möglich ist auch, dass einzelne Staaten bei der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht den Grad der Verbindlichkeit der Empfehlung für die Freizeitschifffahrt verschärfen.

Der Text der Empfehlung liegt nunmehr beigefügt als deutsche Übersetzung vor, damit sich alle Skipper frühzeitig mit dem Inhalt vertraut machen können. Wesentliche Aspekte der Leitlinie sind:

  • Biozidhaltige Antifouling-Beschichtungen, sofern keine anderen Methoden möglich, als Standardmethode in Übereinstimmung mit den Vorschriften für die betreffenden Stoffe.
  • Unterwasserreinigung nur bei leichtem Antifouling unter Beachtung der Vorschriften zur Vermeidung von Gewässerverunreinigungen regelmäßig um starkes Fouling auszuschließen und gänzlich ungeeignet bei starkem Fouling.
  • Besondere Aufmerksamkeit beim Trailern von Booten. Damit beim Transport über Land keine Organismen verfrachtet werden, fordert die Anleitung am Ort des an Landnehmens eine Reinigung des Schiffsrumpfes auch bei nicht sichtbarem Fouling.
  • Dokumentation aller Maßnahmen zur Antifouling-Behandlung (Beschichtung, Reinigung, Reparatur) getrennt für Bootsrumpf und Nischenbereiche im Logbuch.


Für den Freizeitskipper wird mit der Empfehlung als Anhang zur neuen IMO-Richtlinie die persönliche Orientierung in der anhaltenden Antifouling-Diskussion sicherlich nicht einfacher. Der DMYV wird sich bemühen die Freizeitschifffahrt weiterhin zeitnah und aktuell durch Artikel in den Fachzeitschriften und durch Flyer über die Problematik auf dem Laufenden zu halten.

Die "Anleitung für Freizeitwasserfahrzeuge zur Verminderung der Verfrachtung von einwandernden fremden Wasserorganismen durch Biofouling (Schiffskörperbewuchs)" finden Sie in unserem Downloadbereich ->

 

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