Biokraftstoffquotengesetz

Die Große Koalition hat beschlossen, die Steuerbefreiung für Biokraftstoffe zu beenden. Als Trostpflaster für Hersteller und Verbraucher plant das Bundesfinanzministerium ein Gesetz, das ab 1. Januar 2007 den Zwangszusatz kleiner Mengen von Biokraftstoffen zum herkömmlichen Benzin und Diesel vorsieht.

Dabei handelt es sich um:

4,4 % Biodiesel zum Diesel-Kraftstoff

2,0 % Bio-Ethanol zum Otto-Kraftstoff

 

Der Deutsche Motoryachtverband erhielt Gelegenheit, zu diesem Gesetzentwurf eine Stellungnahme abzugeben. Hierfür wurde die Frage untersucht, ob die vorgesehene Zumischung von Biokraftstoffen den Bootsmotoren im Dauerbetrieb schaden kann. Am Beispiel der Verwendung von reinem Biodiesel hat sich ja gezeigt, dass die aus Kunststoff oder Gummi bestehenden Teile des Kraftstoff-Zuführungssytems beschädigt werden. Dieser Effekt geht auf eine erhöhte Lösemittel-Wirkung von Biodiesel zurück und macht die Umrüstung auf Biodiesel-resistentes Material erforderlich. Die Kosten hierfür werden überschlägig auf 500,- Euro geschätzt.

 

Eine andere störende Eigenschaft von Biodiesel ist die erhöhte Wasseraufnahmefähigkeit, die zudem temperaturabhängig ist. Das bedeutet, dass es bei tiefen Temperaturen zur Abscheidung von Wasser in allen Vorratsbehältern kommt. Hier sind Sumpf-Ablass-Einrichtungen erforderlich, um das Eindringen von Wasser in den Motorraum zu verhindern.

 

Es gibt noch weitere Unterschiede zwischen Biodiesel und Mineralöl-Diesel, die schon in der Bootsliteratur beschrieben wurden (z.B. BOOTE, 4/06). Sie wirken sich aber weniger gravierend aus, deshalb soll hier nicht darauf eingegangen werden. Fest steht aber, dass die Summe aller nachteiligen Eigenschaften von Biodiesel die Mehrzahl der Bootsfahrer davon abhält, auf den umweltfreundlichen Biokraftstoff umzusteigen.

 

Wendet man diese Erkenntnis auf das Biokraftstoffquotengesetz an, muss die Frage erlaubt sein, ob bei Zusatz kleiner Mengen von Biokraftstoffen eine Beschädigung des Kraftstoff-Zuleitungssystems im Dauerbetrieb ausgeschlossen werden kann. Wir sind da eher skeptisch. Uns sind keine repräsentativen Langzeitversuche bekannt, die die Unbedenklichkeit der geplanten Maßnahme belegen. Und wer wird schon die Garantie für eine derartige Aussage übernehmen wollen?

 

Zu einer Risiko-Abschätzung gehört auch die Beachtung der unterschiedlichen Lebensdauer von Auto- und Bootsmotoren. Während man bei einem Automotor 10 –15 Jahre veranschlagt, kann ein Bootsdiesel 40 – 60 Jahre lang seinen Dienst tun. Das hängt mit der vergleichsweise geringen Betriebsstundenzahl zusammen, denn viele  Boote bringen es während der Saison nur auf ca. 100 Stunden. Auf die extrem lange Lebensdauer von Bootsmotoren müssten Beständigkeitsversuche an Kraftstoff-Leitungsmaterial ausgerichtet sein.

 

Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf dem Wasser haben oberste Priorität. Motorboote befahren vorwiegend Bundeswasserstraßen mit starkem Güterschiff-Verkehr. Die hohe Zuverlässigkeit der Bootsmotoren darf nicht aufs Spiel gesetzt werden, sonst wäre die Manövrierfähigkeit der Boote gefährdet, und es darf nicht passieren, dass ein Motor nur deshalb ausfällt, weil sich die Kraftstoffleitungen allmählich auflösen.

 

In einem Schreiben an das Bundesministerium der Finanzen hat der DMYV Bedenken gegen die Bestimmungen des Biokraftstoffquotengesetzes erhoben und vorgeschlagen, die Quoten-Verpflichtung in eine Empfehlung umzuwandeln. Dann könnte jeder Bootsfahrer die Entscheindung für oder gegen den Einsatz von Biokraftstoff-Anteilen selbst in die Hand nehmen.

 

Für Benzinmotoren ist die Situation weniger kritisch. Bio-ethanol hat als Alkohol nicht so starke Lösemittel-Eigenschaften wie Rapsöl-methylester (Biodiesel) und ist in jedem Verhältnis mit Wasser mischbar. Deshalb haben wir unsere Einwendungen auf Biodiesel beschränkt.

 

Weitere Informationen

Sportbootvereinigung

Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

mehr

Formulare

Ihr schneller Kontakt zum DMYV. Nutzen Sie unsere Online-Formulare, um schnell mit uns kommunizieren zu können.

Zum Formular

Shop

Der DMYV wird in Kürze wieder zur Verfügung stehen. Für Bestellungen nutzen Sie bitte unser Online-Formular.

Zum Formular