Abwasserrückhaltetanks an Bord von Sportbooten

Neuregelung für das Befahren der Ostsee

In der vieldiskutierten Frage, ob ein Sportboot, das eine Toilette an Bord hat, beim Befahren der See mit einem Rückhaltetank ausgestattet sein muss und ob ggf. eine Nachrüstungspflicht besteht, konnte der DMYV in einem Gespräch mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMV) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), an dem auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), der DSV und der BWVS teilgenommen haben, auf der Grundlage internationaler Normen (Helcom und Marpol) eine Lösung erreichen, die das teils unübersichtliche, teils wenig praktikable Normenwerk dem Bedarf der Wassersportpraxis näherbringt.

Im einzelnen:

Grundsätzlich gilt das Verbot, nicht ausreichend gereinigtes Abwasser in das Meer abzulassen (Marpol Anlage IV Regel 11) auch für deutsche Sportboote (§ 1d Marpol-Zuwiderhandlungsverordnung, Art. 2 der 2.Ostseeschutzänderungsverordnung); jedoch sieht letztere in Art. 4 eine Befreiung vor für „bestimmte Arten von Sportbooten und andere Schiffe, die mit Toiletten ausgestattet sind“, wenn die Einrichtung von „Rückhalteanlagen“

  • technisch schwierig ist oder
  • die Kosten der Einrichtung im Verhältnis zum Wert des Schiffes hoch sind und diese Boote vor dem 01. Januar 2003 gebaut worden sind; der Ausnahmezustand liegt hiernach „insbesondere“ vor, wenn die Rumpflänge weniger als  10.50 m oder die Breite weniger als 2,80 m beträgt oder das Boot vor dem 01.Januar 1980 gebaut worden ist.

Diese Regelung wurde allgemein in den Verbänden des Wassersports als kaum vollziehbar und schwer vermittelbar erachtet. Diesen Bedenken schlossen sich die Gesprächspartner von BMV und BMU an; es wurde eine Konkretisierung vorgesehen, die den Bedenken des Wassersports Rechnung trägt und nunmehr folgendes zum Inhalt hat:

  • Die technische und/oder wirtschaftliche Unzumutbarkeit einer Nachrüstung wird bei Booten bis zu 11.50 m Rumpflänge oder bis zu 3,80 m Breite als ohne weiteres gegeben unterstellt;
  • keine Nachrüstungspflicht, wenn die Einbaukosten 10% des Verkehrswerts des Bootes oder den Betrag von 4000 € übersteigen würden oder
  • wenn der nachträgliche Einbau lt. gutachtlicher Auskunft technisch unmöglich ist.
  • Im übrigen bleibt es bei der Befreiung von Booten mit Toilette, die vor 1980 gebaut worden sind.

 

Der Begriff „Abwasserrückhaltebehälter“ bezeichnet einen Fäkaltank, da dieser Begriff an das Vorhandensein einer Toilette an Bord anknüpft. Für die Kapazität eines Rückhaltetanks („angemessene Größe“) wurde ein Mindestmaß von 8 l pro Koje als ausreichend angesehen.

Sind mehr als eine Toilette an Bord, von denen aber nur eine an den Tank angeschlossen ist, darf auf der Ostsee nur diese benutzt werden; die übrigen sind für die Dauer des Ostseetörns zu verschließen und evtl. mit einem geeigneten Aufkleber („Benutzung z.Z. nicht möglich“) zu versehen.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass Regatta- und ähnliche genehmigte wassersportliche Veranstaltungen auf der Ostsee nicht auf Boote mit Fäkaltank beschränkt bleiben können, ohne den Kreis der Teilnehmer, insbesondere der Begleitboote unnötig einzuschränken. Hierzu gibt es die Zusicherung des BSH, dass in diesen Fällen auf der Grundlage von § 47 Ordnungswidrigkeitengesetz von einer Verfolgung der Ordnungswidrigkeit abgesehen wird.

Soweit die Darstellung dessen, was beginnend in der Saison 2008 für Wassersportler gilt, die ein mit Toilette ausgestattetes Boot auf der Ostsee fahren. Bedenkt man, dass die zweifellos enorme Belastung dieses Binnenmeeres zahlreiche Ursachen hat, die jedoch überwiegend von den Anrainerstaaten zu verantworten sind – Abwasser aus einmündenden Flüssen mit erheblicher Belastung, „entsorgte“ Kampfmittel der letzten beiden Kriege u.a.m. – leistet die Sportbootschifffahrt mit der Neuregelung einen respektablen Beitrag zum Meeresschutz - sollen doch, einer neueren dänischen Untersuchung zufolge, gerade mal o,o1 % des Nitratgehalts der Ostsee den Sportbooten zuzurechnen sein.       

Heers

 

 

Weitere Informationen

Sportbootvereinigung

Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

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