50 Jahre EWV-Hennigsdorf e.V.

Es gelang nur wenigen sportlichen Vereinen, an der  Schnittstelle unterschiedlicher Gesellschaftssysteme ihre sportlichen Ziele  über ideologische Barrieren zu stellen. Mit Beharrlichkeit und manchmal auch dem Mut der Verzweiflung schaffte es der EWV Hennigsdorf,  trotz aller Widrigkeiten über 50 Jahre zusammenzustehen.

 

Man erzählt sich, dass einige der Gründungsväter bei der Betrachtung eine Holzsammelsteges für Floßholz bei der VEB Baumechanik folgerten, wo sich Holz anbinden lässt, da kann man auch Sportboote anbinden!

 

Und so war es nur ein kleiner Schritt, 1953 die Sektion „Wasserfreunde“ mit 20 Betriebs-angehörigen in der Betriebsportgemeinschaft „Aufbau“ in Hennigsdorf/Niederneuendorf am Niederneuendorfer See am Nordrand Berlins zu gründen.

 

In den Jahren 1955 -1958 wurden dann ein Bootshaus und die Steganlagen errichtet. Der Mit-gliederstand erhöhte sich bald auf 40 Sportsfreunde.

 

Mit dem Mauerbau 1961 durften dann wegen der Grenzlage das Klubhaus und das Gelände ab sofort nicht mehr betreten werden und der Verein wurde heimatlos. Da halfen auch die 70.000,- Mark Entschädigung nicht weiter. Es folgten zwei Jahre Zwangspause, in der die Boote und Gerätschaften in Garagen und auf Privatgrundstücken gelagert wurden.

 

1963 und in den folgenden Jahren erfolgte der Wiederaufbau am 1952 entstandenen Havelkanal auf dem Gelände der ehemaligen Pulverfabrik. Es entstanden 45 Wasserliegeplätze, zwei Vereins-gebäude und ein Bootshaus. Die 1961 erhaltene Entschädigung konnte nun eingesetzt werden und es entstand ein kleines Paradies, welches zwischen 1971 und 1972 erweitert wurde.

 

Mit der Wende 1989 kam wiederum Ungemach auf die Sportler zu. Das am Havelkanal in Anspruch genommene Gelände war nur zu ¼  betriebliches Gelände und zu ¾ Eigentum der Stadt Hennigsdorf. Es kam unter die Verwaltung der Treuhand und mit viel Glück konnte frühzeitig ein Antrag auf  Erwerb des Geländes gestellt werden. Die Organisations-form der Betriebssportgemeinschaft wurde nach der Abwicklung des VEB Baumechanik an die neue Rechtssituation angepasst. Am 25.09.1990 wurde der „Erholungs- und Wasserwanderverein Niederneuendorf“ (eV) - kurz EWV – beim Kreisgericht Oranienburg registriert. Leider wurden mit der Abwicklung der VEB Baumechanik viele ältere Mitglieder des Vereins arbeitslos und konnten sich aus finanziellen Gründen den Bootssport nicht mehr leisten. Massive Austritte reduzierten den Mitgliederbestand auf etwa 50 Sportsfreunde.

 

Weiterer Ungemach kam 1993/94 auf den Verein zu. Im Zuge der städtischen Neugestaltung des geräumten Betriebsgeländes musste der Verein wiederum weichen.  Er musste für ein neues Wohngebiet und einen kommerziellen Yachthafen sein Terrain verlassen – ohne Ersatz und wieder heimatlos . Eine großzügige Umzugshilfe  von 10.000,- DM  sollte einen neuen Start begünstigen – aber wohin? 

Der EWV schrumpfte auf 24 Mitglieder, die wiederum mit ihren Booten in alle Winde verstreut wurden. Der Verein drohte darüber zu zerbrechen.

 

Unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Arthur Kubusch, seines Stellvertreters Sieghard Jendras und des Schatzmeisters Stephan Espig  gelang es schließlich, mit der Stadt Hennigsdorf über eine mögliche Ansiedlung im Stadthafen ins Gespräch zu kommen. Es gab sogar 1995 eine erste verbindliche Geländezuweisung auf Pachtbasis. Erste Infra-strukturplanungen für das Gelände und Steganlagen wurden in Gang gebracht, die Tücken lagen aber wiederum im Detail. Das Gelände wurde in die Trinkwasserschutzzone II mit allen Restriktionen einbezogen und Änderungen  der Bauanträge machten das kleine Häuflein von nunmehr 22 Mitgliedern - bis kurz vor der Resignation - mutlos.

 

Endlich, am 19.03.1997, wurde auf der Mitgliederversammlung des Vereins die Zustimmung der Stadtverwaltung Hennigsdorf  zur Ansiedlung  des EWV im Stadthafen mit entsprechendem langfristigen Pachtvertrag bekanntgegeben. Bereits ab September 1997 wurden das Vereinshaus und die Lagerhalle im Rohbau erstellt und die Steganlage bautechnisch abgenommen. Bis 1998 wurden von allen Mitgliedern die Gebäude in Eigenleistung ausgebaut und das Gelände strukturiert.

 

Dann – am 20.06.1998 – übergab der Bürgermeister der Stadt Hennigsdorf, Herr  Andreas Schulz, das neue Vereinsgelände. Durch die Beharrlichkeit des Vorstandes gegenüber den Entscheidungsträgern und den unermüdlichen Einsatz der Mitglieder endete schließlich die vierjährige Heimatlosigkeit des Vereins unter dem neuen Namen „Erholungs- und Wassersportverein Hennigsdorf e.V.“

 

Heute, nach nunmehr über 50 Jahren Vereinsgeschichte, hat sich die Mitgliederzahl auf knapp 60 Sportbegeisterte aus Hennigsdorf und Umgebung sowie Berlin eingependelt. Der Verein erfreut sich großer Beliebtheit bei seinen Gästen aus Holland, Dänemark, Großbritannien, Österreich und natürlich aus allen Regionen Deutschlands. Man kehrt gerne zurück, macht mal Pause bei uns und empfiehlt uns weiter, auch wegen des familiären Flairs.

Diese Tradition wollen wir weiter führen unter dem Motto: klein aber fein.

 

Weitere Informationen

Sportbootvereinigung

Die Sportbootvereinigung (SBV) e.V. im Deutschen Motoryachtverband ist bundesweit mit 5.000 Mitgliedern die größte Vereinigung, die dem Deutschen Motoryachtverband e.V. angeschlossen ist. Sie steht Wassersportlern – mit oder ohne Boot – in ganz Europa offen.

mehr

Formulare

Ihr schneller Kontakt zum DMYV. Nutzen Sie unsere Online-Formulare, um schnell mit uns kommunizieren zu können.

Zum Formular

Shop

Der DMYV wird in Kürze wieder zur Verfügung stehen. Für Bestellungen nutzen Sie bitte unser Online-Formular.

Zum Formular